Gegen den globalen Suizid

19. Dezember 2009 ist ein denkwürdiger Tag. Die »Großen« haben die Welt offiziell aufgegeben, konnten sich nicht einigen, ob die Welt es wert sein würde, für ihren Erhalt zu kämpfen. Es war, als würde man streitend das Totenbett des Patienten Erde verlassen, weil man sich über die Konsequenz des Erbes nicht einigen konnte. Und dieses Erbe erfordert konsequentes Verhalten. Genau dazu aber, sind weder die Politiker bereit, noch der größte Teil der konsumierenden Bevölkerung.

Die Frage ist nicht der Quotenhandel für CO2 und die anderen technischen Gase, wie Methan, Stickoxyd, Lachgas, FCKW oder andere unsere Ozonschicht beschädigende Stoffe. Die Frage ist, wie wir Menschen unser Miteinander untereinander auszurichten haben, damit wir nicht als die Ursache für das totale ökologische Versagen in die noch relativ junge Geschichte des Planeten Erde eingehen. Ich habe niemals einen Hehl daraus gemacht, dass die bisher erforschte Erdgeschichte belegen kann, dass die Natur niemals auf den Menschen angewiesen war; und dass die Natur uns liebend gerne los wäre, weil wir ihr nur als Belastung vorkommen müssen. Mit »Natur« meine ich dabei all die anderen Geschöpfe in unserem ökologischen Kontext, in dem wir nur einen winzigen Teil ausmachen, aber mit unserer egozentrischen Sichtweise katastrophale Folgen hinterlassen.

Die Frage ist nicht, wie viel CO2 darf jeder Mensch produzieren, damit das Klima sich nicht erwärmt. Die Frage ist doch, was muss jeder Mensch für die anderen Menschen tun und zu tun bereit sein, damit die Spezies Mensch nicht von der Natur als unbrauchbar ausgestoßen und endgültig zum Tode verurteilt wird. So, wie die Sachlage sich derzeit darstellt, steht der Urteilsspruch bei den Geschworenen schon längst fest.

Überlegen wir uns nicht genau, welches Plädoyer wir für UNS vorbringen, steht auch das Urteil fest. Nur, dann ist es wirklich die Frage, warum bringen wir uns nicht alle gleich um? Welchen Sinn macht es dann noch, weiter leben zu wollen, wenn jeder Tag mehr Mühsal und Qualen mit sich bringen wird, als der Tag davor, denn wenn wir in diesem Plädoyer versagen, dann gibt es keine Zukunft oder Perspektive mehr für unser Weiterleben.

Ohne eine Umkehr im Denken des Menschen, dass nämlich der Zusammenhalt mit seinem Mitmenschen der Weg für ein weiteres Leben ist und nicht der ökonomische Profit, um sich gegen seine Mitmenschen zu erheben, wird es keine Perspektive für ein Weiterleben geben. Ohne die Umkehr, lernen zu wollen, wie ein ökologisches System »Biosphere One«, unsere Erde, funktioniert und unser Verhalten dem aktuellen Wissen der exakten Wissenschaften anpassen zu wollen, wird das ökologische System »Biosphere One« sich gegen uns entscheiden und unseren sofortigen Ausschluss verkünden. Wir brauchen keine sinnlose UN-EP-Konferenzen mehr, wie Kopenhagen oder Kyoto, bei denen Millionen Euro für das Konferenz-Beiprogramm aufgewendet werden, nur um die politischen Unterhändler zu unterhalten. Wir brauchen eine UN, die mit einer Stimme spricht und endlich ihrer Aufgabe gerecht wird, wozu sie geschaffen worden ist: der Sicherung der Zukunft unserer menschlichen Spezies.

Wir stehen wirklich direkt vor der Entscheidung für und wider dem kollektiven Massenselbstmord einer ganzen Spezies: der Spezies Mensch. Wer das nicht begreifen will, ist im Prinzip bereits tot.

Ist in Deutschland eine totalitäre, faschistische Regierung möglich?

Ja. Und das sage ich voller Schrecken. Die Mehrzahl der Menschen in unserem Land sind nicht bereit, für ihre durch das Grundgesetz verbrieften Rechten und Pflichten einzustehen. Unser Land ist zu einer Nation von »Ja-Sagern« und »Geht-mich-nichts-an-Ignoranten« verkommen. Dahinter steht zum großen Teil die noch immer durch die preußische Untertantreue geprägte Erziehung unserer Jugend. Wenn ein Erwachsener oder jemand, der älter als man selbst ist, sagt, dann ist das für den Deutschen Gesetz. Autorität, auch da, wo sie überhaupt nicht vorhanden ist, ist für das deutsche Kind und den deutschen Jugendlichen allgegenwärtig. Natürlich wird sie bekämpft, wo immer sie auftaucht und sich versucht, über das eigene Ich hinwegzusetzen. Und genau daraus entsteht eine Orientierungslosigkeit, die unsere Kinder und Jugendliche mehr und mehr dem rechten Gedankengut in die Arme treibt. Auch bei den Erwachsenen, auch jener Generationen, die schon lange nach dem 2. Weltkrieg geboren wurden, gibt es vermehrt nationalistisches Gedankengut.

Sicher, wir brauchen in Europa auch ein nationales Bewusstsein. Europa ist keine föderale Union, es ist ein Zusammenschluss von souveränen Staaten und das ist auch wichtig so. Jede Nation in der EU ist für das Ganze wichtig; und gegen ein gesundes nationales Bewusstsein ist auch nichts einzuwenden. Aber wir dürfen nicht in den gleichen Fehler verfallen, den der Sozialismus im Ostblock begangen hat, in dem er alle »gleich« machen wollte. Das große Problem mit unserer Nation von »Ja-Sagern« und »Geht-mich-nichts-an-Ignoranten« ist, dass es in dieser (durchaus negativen) Sichtweise bereits eine sehr große Gleichheit gibt. Niemand traut sich mehr, aus dieser Gleichheit herauszuragen und sich gegen den großen Strom der Masse zu stemmen. Wer sich das traut, ist in unserer Gesellschaft ein Außenseiter und muss damit rechnen, dass man ihn meidet und schneidet. Sicher, das mag nicht fair sein, aber es ist die normale, allgemein (wenn auch schweigend) anerkannte Umgangsform. Wer sich gegen das Schweigen erhebt, stellt sich gegen eine schweigende Mehrheit.
1945 war es auch die schweigende Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die nichts vom Holocaust geahnt haben will. Bis 1945 war es auch eine schweigende Mehrheit, die Mitglieder des Widerstandes, Sozialisten und Kommunisten, Zigeuner und Schwule, Juden und anders Gläubige denunziert und verfolgt haben. Selbst in meiner heutigen Heimatgemeinde nahe Frankfurt/Main ist die Zeit von 1930-1945 eine Zeit der Verfolgung gewesen. Es ist aber nicht nur so, dass es erst ab 1930 absehbar gewesen wäre, dass der Nationalsozialismus die Oberhand über die Weimarer Republik gewinnen wird. Die Tendenzen waren schon viel früher erkennbar und haben sich über die ganze Zeit von 1924 bis 1933 (Hitlers Ermächtigungsgesetz im Reichstag) deutlich abgezeichnet. Wie einst auch Martin Luther nach der Reformation, wurden viele Mitglieder der großen Kirchen (sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche im Deutschen Reich) zu »Judenhassern«. Ein unsäglicher Zustand, der den Widerstandskämpfer und evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer dazu zwang, sich auch gegen seine eigene Kirche zu stellen. Dietrich Bonhoeffer war ein Mensch, der nicht schweigen wollte.

Die ganze spätere Geschichte der DDR (von 1949 bis 1989) war vom Schweigen geprägt. Sowohl in der DDR wurde geschwiegen, als auch bei uns im Westen. Die Studentenunruhen in den 70ern und 80ern und der Terror der RAF waren die einzigen Zäsuren in unserer Geschichte, in der das Schweigen für kurze Momente gebrochen wurde. Aber die Mehrheit der Deutschen hat niemals von der deutschen Geschichte gelernt und sich immer noch verhalten, als lebten wir im Kaiserreich von Friedrich II. Preußische Obrigkeit und Dünkel waren damals die Grundlage für den Nationalsozialismus und sind heute noch Grundlage für den sich immer weiter hoffähig machenden Rechtsradikalismus, der inzwischen zu Teilen sogar bürgerliche Parteien erfasst hat. So wechselten ca. 134000 Wähler von der NPD zur FDP. Und wer in Deutschland die NPD-Wählerschaft für unterbemittelt hält, der täuscht sich in diesem Klientel ganz gewaltig. Es gibt nicht wenige aus dem gutsituierten bürgerlichen Lager, die mit den rechtsradikalen Ideen sympathisieren. Und es ist auch das Geld aus dem bürgerlichen Lager, dass die heutigen Aktionen (vor Schulhöfen, in Kinder- und Jugend-Freizeitlagern, im Sozialwesen) der rechtsradikalen Parteien unterstützt. Darüber wird selbstverständlich auch geschwiegen. Und so schürt das Schweigen in Deutschland weiter und weiter den rechten Kern unserer Politik, der sich irgendwann (auch in Form des Globalismus) verselbstständigt hat.

Ja, eine radikale, faschistische Regierung in Deutschland ist jederzeit wieder möglich. Italien hat es uns in Europa vorgemacht, wie leicht das zu bewerkstelligen ist.

Das Los mit dem/n Grenzen/los

Man muss seine Grenzen erkennen können. Das ist das elementare Element einer gesunden evolutionären Haltung innerhalb dieses Biosphären-Systems, das allein auf den Prinzipien der Ökologie beruhen kann. Ich bin kein »Grüner«, ich bin auch kein Öko-Freak, ich bin ein Mensch, der es gelernt hat, eben diese Grenzen als durch Gott (oder was immer die Menschen dafür halten wollen) und die Naturgesetze gegeben anzuerkennen. Ich habe in meinem Handlungsspektrum entsprechende Grenzen zu befolgen, sonst füge ich mir selbst oder anderen Menschen, meiner Umwelt oder der Natur Schaden zu. Das fatale ist, dass wir in unserer Gesellschaft leider schon so viele Grenzen überschritten haben, dass dadurch auch für mich Sachzwänge entstehen, durch die ich diese Grenzen verletze. Der einzige Unterschied mag sein, dass ich mir dessen voll und ganz bewusst bin, dass ich mit dieser Einschränkung, die ich als Gewaltakt gegen meine Individualität und meine Selbstbestimmung bezeichnen möchte, leben muss. Ich kann mich dessen nicht aktiv zur Wehr setzen, weil für mich als Staatsbürger herrschende Gesetze mich daran hindern. Wir sind in einer gesellschaftlichen Situation angelangt, in der wir uns mit einer Konstellation auseinander setzen müssen, die Franz Kafka als Alptraum bezeichnet hätte. Dieses System zu durchblicken, sich nicht vom Mainstream beirren zu lassen, seiner eigenen Überzeugung treu zu bleiben und sein eigenes Tun und Handeln danach auszurichten, das würde ich durchaus als den spirituellen Weg bezeichnen, sich in einer gegebenen Situation zurecht zu finden.

Wir müssen in unserer Gesellschaft heute mehr denn je üben und erlernen, Grenzen zu erkennen und diese Grenzen zu respektieren. Wir sind als suchtgeprägte Gesellschaftsform leider absolut grenzenlos geworden. Fortschritt, Wachstum, Rendite und Gewinne in exorbitanter Höhe (welcher Unternehmer hätte zu meiner Zeit schon in Milliarden gerechnet?), das ist die Gigantomanie pur. Ich habe so viele süchtige Manager erlebt (egal ob Alkohol, Koks oder Arbeits- und Geltungssucht), dass ich es nicht mehr an zwei Händen abzählen kann. Ich habe diese Menschen durchaus kennen und verstehen gelernt, wie sie ticken und wie sie ihr Denken in Handeln umsetzen. Vieles war für mich durchsichtig und vorhersehbar und manches, was ich mir noch als katastrophales Zukunfts-Szenario ausgemalt habe, haben sie tatsächlich Wirklichkeit werden lassen. Nur, mir war bewusst, dass ich an diesem Fortgang der aktuellen Zeitgeschichte nichts mehr ändern kann. Ich selbst musste aber als Unternehmer nicht die selben Fehler machen, ich hatte durchaus die individuelle Freiheit, auch meine eigenen Fehlgriffe zu gestalten.

Eine Gesellschaft erfordert Grenzen. Egal, ob es nun die politischen Grenzen eines souveränen Staates sind oder ob es die rein individuellen Grenzen der persönlichen Intimität. Sie sind beide wichtig. Aber sie sind nicht dazu da, dass wir diese Grenzen im Alltag missbrauchen, sie übertreten, sie verletzen und aber auch da etablieren, wo das Vorhandensein einer Grenze Missachtung, Misstrauen, Verletzung bedeutet. Wie oft setzen wir diese Grenzen als ein Machtwerkzeug ein, um uns von anderen abheben zu können? Eine Grenze soll uns die innere Integrität sichern. »Hier bin ich!« – das ist die Aussage, die dahinter steht.

Ich bin bei meinen Betrachtungen auf eine sehr schwierige Kontroverse mit den Grenzen gestoßen: Israel. Israel hat seine Grenzen nicht ausschließlich zum Schutz gegen feindliche Übergriffe gestaltet. Die Grenze zwischen Israel und Libanon oder auch die Grenze um den Gaza-Streifen, sind auch dazu da, den anderen verstehen zu geben »ich sehe Dich nicht! Du bist für mich nicht existent!« Das ist keine Position, der man Glauben schenken kann, wenn es einst wieder zu Friedensverhandlungen kommen sollte. Denn Frieden kann ich nur schließen, wenn ich einen Menschen sehe, wenn ich seine Existenz wahrnehme und anerkenne.

Gipfel der Unvernunft

Heute ist der Tag des Welternährungsgipfels in Rom. Und es ist der Gipfel der Unvernunft, wenn ausgerechnet der Papst Benedict XVI. sich vor das Mikrofon stellt und jammert, dass alle sechs Sekunden ein Kind wegen Unterernährung sterben muss und dass deshalb für unsere „zivilisierte Welt“ die Aufgabe bestünde, das wirtschaftliche Wachstum zu sichern, um die armen hungerleidenden Säuglinge zu ernähren! Man sollte diesen Mann wegen Massenmord anklagen! Denn, wer Kondome verbietet und damit Milliardenfaches Leid über Frauen und ihre ungewollte Mutterschaft bringt, der weismachen will, nur der Glaube allein schütze vor AIDS, der ist genau so dafür zur Verantwortung zu ziehen, wie jeder andere Kriegsverbrecher auch.

Ich will nicht das Leid des Hungers herunter spielen. Aber es packt mich eine unbändige Wut, wenn wir das Leid des Hungers dazu hernehmen, um unseren Wachstumswahnsinn zu legitimieren. Es kann doch nicht sein, dass wir mit anderen Worten genau das versuchen umzusetzen, was die Nazis in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts als Grund aufgeführt haben, unsere prosperitierende Bevölkerung durch den Raub und den Mord in den Nachbarstaaten zu ernähren und damit Millionen Menschen zu ermorden, nur damit das Deutsche Reich seinen Wachstumswahnsinn verwirklichen konnte? Wo, bitte schön, sind da die Unterschiede?

Wir können nur einen Weg gehen: freier Zugang zur Frauenbildung weltweit – freier Zugang zur Schwangerschaftsverhütung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten für ALLE – Geburtenkontrolle, dass nur so viele Kinder geboren werden, wie jedes souveräne Land innerhalb seiner Grenzen ernähren kann – staatliche Kontrolle darüber, dass jedem Menschen ausreichend sauberes Trinkwasser für die Ernährung zur Verfügung steht (das wären drei Liter Trinkwasser für jeden Menschen am Tag) – kein Wachstum größer als das ökologische Gesamtprodukt eines souveränen Staates mehr. Das bedeutet sicher, dass wir Abstriche an unserem Lebensstandard machen müssen. Aber es bedeutet auch, dass die Frauen sich politisch mehr für ihre Bildung einsetzen müssen! Das muss schon in der Schule anfangen, denn die Frauen sind es, die in dieser Hinsicht noch politisch etwas bewegen könnten.

Verlorene Relationen

Im Jahr 1997 hielt ich einen Vortrag über den „Wert der Arbeit“, eingeladen von einer der größten deutschen Banken. Es ging damals um das Thema „Globalisierung der Märkte“ und die Auswirkungen auf unseren Alltag. Ich habe ja in den USA Volkswirtschaft gelernt, sowohl theoretisch als auch praktisch. Und die Werke von Karl Marx stehen in den USA bei den Wirtschaftswissenschaftlern hoch im Kurs. „Das Kapital“, besonders das 10. Kapitel über den „Wert der Arbeit“, kennt dort so ziemlich jeder Student. In diesem Kapitel geht es um Arbeitsmetrik, sprich: die Bewertung, welche Arbeit welchen Gegenwert nach sich zieht. Ein Binnenmarkt und ein globalisierter Markt, ist auf die Metrik der Arbeit angewiesen, damit Produkte und Waren einen angemessenen Preis erzielen können. Heute werden in dem globalisierten Markt Preise für Produkte verlangt, die so nie und nimmer realistisch sein können. Ein T-Shirt für 1 Euro ist ein unrealistischer Preis, selbst als Selbstkostenpreis des Produzenten. Der Produzent könnte sich so niemals über Wasser halten. Auch das viel gepriesene »die Masse bringt es« hilft auch nicht weiter. Selbst hohe Stückzahlen können keine Produktionsverluste wett machen. Irgendwo muss aber das Geld verdient werden. Hierzulande hat man sich darauf verstiegen, durch Dienstleistungsprodukte Geld zu »generieren«. Versicherungen, Bankenprodukte, Börsenhandel. Das sichert zwar ein hohes BIP (Bruttoinlandsprodukt), weil der Geldfluss entsprechend steigt, aber es hat wie jede Medaille zwei Seiten. Die eine Seite ist der hohe Umsatz bei den Geldhäusern, die selbst nach dem katastrophalen Zusammenbruch des Immobilienmarktes wieder mit mit Milliardengewinnen (EBIT, earning before incomming taxes) aufwarten können. Daraus kann ich nur eines schließen, dass nämlich die Arbeitsprozesse, die für produzierte Waren erforderlich sind, ausschließlich durch die Dienstleistungsprodukte im Kapitalmarkt finanziert werden. Einschließlich Rohstoffe und Arbeitskraft wird alles nur auf Pump (aus der Hand der finanzierenden Investoren) geschaffen. Damit ist unser Bruttoinlandsprodukt schon lange kein bewertbarer Maßstab mehr, es ist vielmehr eine dermaßen gefährliche Schieflage eines Gesamtsystems, das damit allen Lobpreisungen für den globalisierten Markt widerspricht. Wir können nicht damit Geld verdienen, in dem wir anderen dafür Geld abnehmen, dass wir ihnen mehr Geld versprechen. Das Geld wird nicht mehr, denn es gibt einen festgesetzten Mengentender, der bestimmt, wie viel Euro in unserem deutschen Geldmarkt kursieren können. Durch Eingriffe von der Regierungsseite haben wir zwar immer wieder eine Erhöhung des Mengentenders vorgenommen, das ist aber lediglich eine Vermehrung der Inflation, keine Schaffung von neuem »generiertem« Geld. Was nicht da ist, kann auch nicht von Zauberhand erschaffen werden. Den Menschen in dieser Gesellschaft wird aber mit dem ständigen Vorbeten von Wirtschaftswachstum, egal ob positiv oder negativ, der Eindruck vermittelt, Wachstum sei unbegrenzt möglich. Dem ist nicht so. Alle Ressourcen auf diesem Planeten sind nur in einer begrenzten Menge vorhanden. Aus einer handvoll Steine kann kein Gold werden, aus einer Zahnplombe kein Platin. Das, was ich 1997 an dem Wort »Wertschöpfungsprozess«kritisierte, war der Versuch, den Menschen weiszumachen, dass sie aus dem Nichts heraus ohne Aufwand von durch Arbeit erwirtschaftetem Gut, Geld machen könnten. Das wurde den Unternehmen gepredigt, die das regelrecht verinnerlichten. Das wurde den privaten Anlegern gepredigt, die ebenfalls dachten, mit geliehenem Geld auf dem Kapitalmarkt durch Spekulation ihren Einsatz zu vervielfachen. Es wurden astronomische Renditen versprochen, die aber jeglicher volkswirtschaftlichen Grundlage entbehrten. Wie gesagt, die Menge an Geld wird nicht durch Zauberhand größer. Kreditaufnahmen auf der Regierungsebene, führen zwangsläufig zu inflationären Verhältnissen und können auch keinen Aufschwung am Markt herbeiführen. Denn irgendwo muss dieses Geld geliehen werden, dafür muss dann auch kein unbeträchtlicher Zinsdienst geleistet werden. Zinslose Kredite sind eine Illusion. Trotzdem denkt man immer noch im Schema »Wertschöpfungsprozess« und ist sich sicher, dass es einen Aufschwung gibt, nur in dem man Geld in den Markt pumpt.
Wir haben die Relationen zur Realität und dem tatsächlichen Wert von Arbeit verloren. Waren werden subventioniert und kosten nicht genau so viel, wie sie an Preise für Rohstoffe, Fertigung, Arbeitslohn und Vertrieb kosten müssten. Sicher, es wird noch sehr lange Zeit eine Illusion bleiben, dass Arbeit überall den selben Wert haben wird. Denn würde das der Fall sein, dann könnten wir genau so gut das Geld abschaffen. Eine Gesellschaft ohne Geld ist keine unmögliche Sache. Für eine Ware kann ich ebenso mit Waren oder mit Arbeitsleistung zahlen. Tauschhandel nennt man das. Das Geld wurde lediglich als eine virtuelle Größe eingesetzt, die durch einen feudalen Herrscher in ihrem Wert festgesetzt wurde. Damit konnte er besser beziffern und kontrollieren, wie viel seine Untertanen an Steuern abführen mussten. Viel hat sich an dem System nicht verändert, aber es gibt Möglichkeiten das zu ändern.

Die Mogelpackung

Warum haben wir in Deutschland inzwischen wieder ein neo-feudalistisches System? Die Zeit wiederholt sich. Wie Ende der 20-er Jahre im letzten Jahrhundert, das 1929 im großen Börsencrash gipfelte, haben wir heute wieder eine enorme wirtschaftliche Instabilität, die auch diesmal in der Schwächung der produktiven Arbeiterschaft durch das Kapital und die Geldwirtschaft zu verantworten ist. Jetzt, im Oktober 2009, reden wir immer noch davon, dass unsere neu gewählte christ-liberale Regierung Steuererleichterungen verspricht, die aber nur den oberen Verdienstgruppen zugute kommt. Warum, das ist leicht zu erklären:

Die unteren Verdienstgruppen, die durch das Gros unserer Bevölkerung repräsentiert werden, sind steuerlich so eingruppiert, dass sie meistens überhaupt keine Steuern zahlen müssen, entweder weil ihr Verdienst so gering ist, dass sie unter den Steuerfreibetrag fallen oder weil sie Hartz-IV-Empfänger sind. Das bedeutet, sie haben keinerlei steuerliche Erleichterung zu erwarten, im Gegensatz zu denen, die durch den wachsenden Steuerfreibetrag und die nun versprochenen Steuererleichterungen ganz erhebliche Wettbewerbsvorteile innerhalb unserer Binnenwirtschaft genießen.

Dafür wird aber die Umsatzsteuer/Mehrwertsteuer auf bis zu 25% steigen, ebenso die Sozialausgaben für Krankenkasse und Pflegeversicherung. Das bedeutet vor allem eine Mehrbelastung für die Einkommensgruppen, die keine Steuer zahlen müssen und deshalb auch keine Vergünstigungen zu erwarten haben. Denn Erhöhung der Mehrwertsteuer und Sozialversicherungsbeiträge, sind bewusst aus dem Paket „Steuererleichterung“ der Bundesregierung herausgehalten.

Also die echte Mogelpackung!

Kranke Ärzte…

Diesmal bleibt mir nichts anderes, als die Ärzte als Krank zu definieren. Ich hatte eine grandiose Odissee hinter mir, letzten Freitag. Und eine Stinkwut im Bauch. Unfallarzt mit Treppe am Eingang, die für Rollstuhlfahrer wie mich unüberwindlich sind. Was nützt mir da ein Termin zur ambulanten Chirurgie? Ich kam also gar nicht in die Praxis hinein. Dann weiter zum nächsten Krankenhaus. Glücklicherweise bin ich ja auch unterwegs online, also konnte ich Telefonnummer ausfindig machen und das Krankhaus vorab anrufen. Kein Problem, sofort einen Termin bekommen. Als ich mich dem Krankenhaus näherte, da wurde mir klar, warum ich gleich einen Termin bekam. Denn dem Krankhaus fehlten die Patienten. Um das Krankenhaus herum Baustellen und Einbahnstraßen, die eine Zufahrt zum Krankenhaus schlicht unmöglich machten. Also 30km weiter zum nächten Krankenhaus. Absoluter Service Notstand! Infoschalter und Aufnahme wurde durch ehrenamtlich tätige Rentner besetzt, die für den kirchlichen Träger den Frohndienst übernahmen. Und in der chirurgischen Ambulanz. Das erste, was der Arzt zu mir sagte, noch bevor er sich überhaupt angehört und angeschaut hatte, was ich wollte: „Ich seh da nix!“ Natürlich kocht bei mir da der Seifensieder. Der Freitag war also wirklich für die Katz. Und rund 110 Euro Taxikosten verfahren! Es ist ja nicht das Geld der Ärzte… und die Krankenkasse muss es ja auch nicht zahlen….

Ach übrigens: beim herausgehen sah ich, wie die Ärzte aus dem Unfall-OP in ihren OP-Kitteln ins Freie gingen und zurück in den OP-Bereich. Hoch lebe der Gasbrand. Ich habe das Gesundheitsamt informiert. War ja online. 😉 Die Nummer fand ich schnell…

Die Welt auf den zweiten Blick