Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Über rein soziale Themen (Gesellschaft, Krankenversicherung, Rente ect.)

Kranke Ärzte…

Diesmal bleibt mir nichts anderes, als die Ärzte als Krank zu definieren. Ich hatte eine grandiose Odissee hinter mir, letzten Freitag. Und eine Stinkwut im Bauch. Unfallarzt mit Treppe am Eingang, die für Rollstuhlfahrer wie mich unüberwindlich sind. Was nützt mir da ein Termin zur ambulanten Chirurgie? Ich kam also gar nicht in die Praxis hinein. Dann weiter zum nächsten Krankenhaus. Glücklicherweise bin ich ja auch unterwegs online, also konnte ich Telefonnummer ausfindig machen und das Krankhaus vorab anrufen. Kein Problem, sofort einen Termin bekommen. Als ich mich dem Krankenhaus näherte, da wurde mir klar, warum ich gleich einen Termin bekam. Denn dem Krankhaus fehlten die Patienten. Um das Krankenhaus herum Baustellen und Einbahnstraßen, die eine Zufahrt zum Krankenhaus schlicht unmöglich machten. Also 30km weiter zum nächten Krankenhaus. Absoluter Service Notstand! Infoschalter und Aufnahme wurde durch ehrenamtlich tätige Rentner besetzt, die für den kirchlichen Träger den Frohndienst übernahmen. Und in der chirurgischen Ambulanz. Das erste, was der Arzt zu mir sagte, noch bevor er sich überhaupt angehört und angeschaut hatte, was ich wollte: „Ich seh da nix!“ Natürlich kocht bei mir da der Seifensieder. Der Freitag war also wirklich für die Katz. Und rund 110 Euro Taxikosten verfahren! Es ist ja nicht das Geld der Ärzte… und die Krankenkasse muss es ja auch nicht zahlen….

Ach übrigens: beim herausgehen sah ich, wie die Ärzte aus dem Unfall-OP in ihren OP-Kitteln ins Freie gingen und zurück in den OP-Bereich. Hoch lebe der Gasbrand. Ich habe das Gesundheitsamt informiert. War ja online. 😉 Die Nummer fand ich schnell…

Die Unfähigkeit Freunde zu finden

Sind wir in unserer Gesellschaft zu Einzelwesen verkommen? Wo ist der viel gelobte „solidarische Zusammenhalt“? Unsere Gesellschaft zerfällt. Zerfällt in Individuen, die nur noch ihre eigenen Vorteile sehen und suchen. Ob das ethisch korrekt ist, sei einmal dahin gestellt. Aber woher kommt das? Betrachten wir einmal, was in unserer Gesellschaft den Zwang erzeugt, unbedingt erfolgreich sein zu müssen: die Medien. Das ist nicht nur ein Klischee, das ist auch eine Tatsache, die sich nicht von der Hand weisen lässt. Im Alltag erlebe ich, wie wenig die Menschen aufeinander zugehen wollen. Man geht sich einfach aus dem Weg. Niemand interessiert sich für das Leben seiner Mitmenschen. „Ich mische mich nicht ein, in die Angelegenheiten anderer Leute!“ Das ist eine der Kernaussagen unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Sicher, das ist eine recht bequeme Lebenseinstellung. Denn, solange ich mich nicht für das Leben der anderen interessiere, solange muss ich auch keine Stellung zu meinem Leben beziehen. Wie war das früher? Sind wir da als Kinder nicht dazu erzogen worden, bestimmte ethische und moralische Vorstellungen zu übernehmen? Die Kinder unserer Gesellschaft sind heute gänzlich anderen Einflüssen unserer Zeit ausgesetzt und haben deshalb auch vollkommen andere ethische und moralische Vorstellungen. „Freundschaft“ ist in ihrer Vorstellung nicht mehr mit einer Bindung verbunden, für uns Erwachsene von heute (Anm. d. A.: ich bin 1956 geboren) ist so etwas allenfalls eine lockere Bekanntschaft, mit jemand, dessen Nachnamen man noch nicht einmal weiß. Entscheidend ist aber der Umstand, dass die Kinder von heute nicht mehr in der Lage sind, tatsächliche persönliche Bindungen an einen anderen Menschen einzugehen. Viel mag es daran liegen, dass diese jungen Menschen von ihren Eltern auch keine emotionale Bindung erfahren haben. Die Ausprägung der Bindungsfähigkeit ist etwas, was Kinder in den ersten Lebensjahren erfahren und lernen und genau daran hindert sie diese Gesellschaft; viel zu schnell müssen sie rational erwachsen sein, selbst Entscheidungen treffen, die ihr ganzes späteres Leben beeinflussen, weil man sie zeitlebens auf diese Entscheidungen festlegt. Das war vor 50 Jahren noch nicht so. Allerdings hat es sehr bald schon, so etwa in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts angefangen, die Kinder durch Medien gezielt zu beeinflussen und das ging am allerbesten über deren Eltern. Die Zeitschrift Eltern hat dabei eine maßgebliche Rolle gespielt. Hier wurde schon damals über den Gruner+Jahr Verlag den Eltern ab 1966 vorgebetet, wie Kinder zu „funktionieren“ haben. Das hatte natürlich Auswirkungen auf eine ganze Generation von Eltern, also ab den 80er Jahren, die ihre Kinder quasi als Styling-Produkt ansahen und bei dem es nur noch darum ging, als Eltern gegenüber anderen Menschen als fähige und leistungsstarke Erzieher präsentieren können. Nicht nur in China, Japan, Korea oder Taiwan wurden die Kleinkinder schon im Krabbelalter einem gnadenlosen Konkurrenzdruck ausgesetzt, sondern auch hier in Deutschland, dank Gruner+Jahr. Es mutet schon einer gewissen Strategie an, dass wir von Kindern funktionales Wissen noch vor sozialer Erfahrung fordern und dass Förderung nur darauf angelegt ist, den Kindern möglichst schon im Mutterleib die Fähigkeiten eines erfahrenen Gefäßchirurgen anzugedeihen, noch ehe es überhaupt in der Lage ist, sich ausreichend sozial innerhalb einer Gesellschaft zu bewegen.