Archiv der Kategorie: Infrastruktur

Der Deal des Jahrhunderts?

Es bahnt sich etwas an, was den Himmel der Telekommunikation erhellen oder verfinstern kann. Man stelle sich folgendes Szenario vor. Unser rosa-roter Riese gründet in den USA, z.B. in einer der Steueroasen auf dem nordamerikanischen Kontinent einen neuen Konzern, für den jetzt hier bereits schon multimedial Werbung gemacht wird – der sich durch totale Vernetzung auszeichnet – und der rosa-rote Riese packt seine Klamotten, schließt in der alten Bonndeshauptstadt seine Tore und sagt, nachdem wir TTIP unterzeichnet haben „Und Tschüss!“ Eine zu gewagte Phantasie? Ich weiß, es klingt mehr nach „Dünnpfiff“ als nach Spekulation. Aber es gibt dieses Szenario! Und wenn wir dann auf deutschem Boden keinen Zugriff mehr auf die Hoheit der letzten Meile haben, weil diese einem US-Konzern gehört, der durch das TTIP geschützt wird, dann wird uns allen klar werden: das war der Deal des Jahrhunderts! Da wird sich selbst Apple noch ne Scheibe abschneiden müssen…

 

Drohnen-Theater und Abhörwahn

Wozu brauchen wir eigentlich diesen Überwachungsstaat?

Eines der großen Probleme der Politik scheint wohl zu sein, dass unser Staat sich nicht anschickt, sich mit den wirklich brennenden Schwierigkeiten der Innenpolitik zu befassen. Denn anders kann man es sich nicht erklären, dass wir immer mehr überwacht, kontrolliert, profiliert, gevoted und gedated werden, dass wir immer mehr als gläserne Nutznießer einer vermeintlichen Sicherheit die Hosen herunter lassen müssen, ohne Ansehen der Person, des Geschlechtes, der Religion oder der politischen Gesinnung. Hauptsache wir sind erfasst und getraced!

Und da passt die vermeintliche Diskussion im Bundestag gut, ob wir nun unsere Drohnen bewaffnen oder nicht. Das Argument, wir würden damit besser das Leben unserer Soldaten im Ausland schützen können, zieht bei mir nicht – nicht solange, wie für Pistolen und Gewehre nicht zugelassene Munition verwendet wird, die Ausrüstung in einem so jämmerlichen Gesamtzustand ist, dass allein schon die Anwendung zur Gefahr für Leib und Leben unserer Soldaten wird.

Verrostete NH90, fehlkonstruierte Schützenpanzer, sind das nicht dringlichere Probleme? Warum lässt die Bundeswehr ein Transportflugzeug bauen, welches nicht einmal in der Lage ist, notwendige Ausrüstung in einem Stück zu transportieren? Oder kauft Krauss-Maffai seine Schützenpanzer gleich bei Ikea … und wo sind die dazu passenden Schraubenzieher? Sind auch die passenden Bauanleitungen dabei?

Und dann nun dieser NSA-Untersuchungsausschuss. Ich kann Snowden wirklich verstehen, wenn er sagt, er sehe keine Notwendigkeit, mit unserem Untersuchungsausschuss zu sprechen, ebenso in Russland als auch in Deutschland. Er habe alles gesagt. Und schließlich hat er das auch, täglich erreichen uns mehr und mehr detaillierte Berichte darüber, wie wir uns ab- und aushorchen lassen – von wegen, dass auf deutschem Boden keine deutschen Bundesbürger ausgespäht werden würden. Wir machen uns schon allein dadurch verdächtig, wenn wir verschlüsselte Mails verschicken, uns anonym im Internet bewegen wollen und uns vertrauensvoll an deutsche Anonymisierungs-Dienste wenden. Schon werden wir zum Zielobjekt und werden digital verfolgt.

Gibt es irgend einen verfassunsgemäßen Schutz für unsere Bundesbürger gegen diese Maßnahmen? Nicht im geringsten. Das Grundgesetz wurde hinlänglich schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts dahingehend aufgeweicht, dass umfassende Verträge der damaligen Bundesregierung unter Konrad Adenauer mit den amerikanischen Freunden dafür sorgten, dass wir nach und nach immer mehr zum fünften Rad hinter den amerikanischen Verfassungszusätzen wurden.

Den einzigen Schutz vor einer weiterreichenden und verfassungswidrigen Überwachung hätten wir nur noch dann, wenn wir endlich zu amerikanischen Staatsbürgern gemacht werden würden. Aber ein Problem gibt es, wie soll der 51. Stern auf das Sternenbanner Platz finden. Solange das nicht geklärt ist, wird es wohl nicht dazu kommen. Aber wir sollten vielleicht schon mal üben, wie man sich als Amerikaner fühlt… mit bewaffneten Drohnen für die Bundeswehr und dem ganzen Abhöraperat im Nacken.

Infrastruktur-Sicherheit mangelhaft!

Wenn wir in Europa tatsächlich die vom europäischen Parlament geforderte Infrastruktur-Reform in unseren Datennetzen umsetzen wollen, dann ist dies fast unmöglich. Und zwar von technischer Seite. Europa hat es in den letzten Jahrzehnten deutlich versäumt, eigene IT-Hardware und IT-Infrastruktur aufzubauen. Wenn heute neue Netze für eine IT-Infrastruktur gebaut werden, dann haben wir dafür ausschließlich Technik aus den USA und aus China oder Taiwan zur Verfügung. Router, Switches, Netzwerkkarten, all das wird fleißig importiert – und wie zu erwarten, bieten diese Hardware-Komponenten genügend Hintertürchen für Geheimdienst-Spionage – in dem die Hardware selbst die Informationen weitergibt. Wir haben über Jahrzehnte mühsam die Augen davor verschlossen, dass wir uns in eine politische und auch strategische Abhängigkeit begeben, die es in dieser Weise für die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten nicht geben dürfte.

Aber es sind nicht nur die IT-Infrastrukturen, die von dieser Kartell-mäßigen Machtfülle belastet sind, sondern es sind insgesamt auch unsere Versorgungsnetze, die davon zu fast 100% betroffen sind. Kaum jemanden ist bewusst, dass ohne die Software-Technologie von SAP kein Wasser, kein Strom, keine Erdgas und keine Fernwärme fließen kann. Selbst die Versorgung im Gesundheitswesen ist von diesem einen Konzern abhängig, genau so wie in Banken und Versicherungen, im Verkehrswesen (Straßenverkehr, Bahnverkehr, Luftverkehr) und auf den Flughäfen. Bricht dieser eine strategische Konzern zusammen, dann ist das ein weltweiter GAU. Und es wäre wirklich der „Größte Anzunehmende Unfall“. Wie können sich Staaten überhaupt so von einem einzigen Konzern abhängig machen? Wo ist da die parlamentarische Kontrolle im Europa-Parlament?

Und nicht zuletzt hat vor wenigen Wochen SAP ein nun fast zehn Jahre dauerndes Software-Projekt aus Gründen der Fehlerhäufigkeit und schlechten Wartungsfähigkeit ersatzlos in die Tonne gedrückt. Dass ein solches Ereignis, im Zusammenhang mit der internationalen und nationalen Abhängigkeit nicht zu einem Schock bei den verantwortlichen Politkern führte, zeigt, wie oberflächlich das Thema „Infrastruktur-Sicherung“ behandelt wird.

Was aber noch schlimmer ist: Bundesweiter Blackout der Stromversorgung. 1. hat unsere Wasserversorgung nur an einer handvoll Förderstellen eine Notstromversorgung und 2. haben wir für diese Notstromdiesel nur ganze 8 Tankstellen mit Notstromversorgung auf das ganze Bundesgebiet verteilt. Warum Katastrophenschutz, Feuerwehren, Zivilschutz und Bundeswehr (die im Katastrophenfall ebenfalls mit eingreifen muss) bis heute noch kein ALARM geschlagen hat, ist nicht nachvollziehbar.

Ebenso gibt es keine Maßnahmen für die Planung von bundesweiten Katastrophenschutz-Übungen an einem Werktag (möglichst Montag oder Freitag, um auch mit dem dicksten Verkehr in der Infrastruktur fertig werden zu müssen). Denn nur so können auch die heftigsten Szenarien erfolgreich auf Fehlerquellen getestet werden. Im Bundes-Zivilschutz-Gesetz ist bis heute noch keine solche Übungs-Planung enthalten!