Alle Beiträge von Steinchen

58 Jahre alter Autor und Fotograf, Katzenliebhaber, Motorradfahren, Reisen, Lesen, Schreiben, Brieffreundschaften, Musikfan (von Klassik bis Hardrock), spiele E-Bass.

Zum Gedenken an den 17. Juni 1953

Es ist für mich immer noch unverständlich, dass heute kein Feiertag mehr sein soll. Dabei war es doch ein äußerst wichtiges Datum des Gedenkens an den demokratischen Willen und die antifaschistische Bewegung in der damals noch jungen DDR. Und heute? Heute habe ich oftmals den Eindruck, dass die Wiedervereinigung von 1989, in der Form, wie sie damals ablief, ein einziger faschistischer Schachzug war, der nur darauf abgezielt hatte, eine Destabilisierung des „Präkariats”, zu dessen leichteren Abtrennung von der feudalistischen Oberschicht, voran zu treiben.

Ich muss nicht verhehlen, dass ich „links” denke und fühle. Was nichts damit zu tun hat, dass ich ein der „Linken” zugewandter Wähler wäre. Ganz im Gegenteil, ich sehe das ganze mit äußerst kritischem Blick auf die Vergangenheit. Bedenkt man aber, dass selbst die SPD dem zunehmenden Einfluss des neuen Feudalismus unterlag (in seiner Figur des Gerhard Schröder als Niedersächsicher Großfürst), dann wird heute verständlich, dass sie nur noch 26% der Wähler auf sich vereinigen kann. Frau Nahles und Herr Gabriel sind lediglich moderne Bürokraten der Parteikonsensverwaltung, aber keine echten Sozialdemokraten mehr.

Blicken wir zurück ins Jahr 1953, als sich der Widerstand gegen das formierte, was von oben als Sozialismus deklariert wurde. Was war denn an dem sozialistischen DDR-Regime sozialistisch? Auf keinen Fall wollte man alle gleich machen. Erst recht gab es Menschen, die auch im Sozialismus gleicher als gleich waren. In einem wahren Sozialismus, in dem jeder für jeden einsteht, ungeachtet von Geschlecht, Herkunft oder politischer Gesinnung, hätte es keinen Aufstand gegeben. Damals hätte es ein Schmelztigel auch der politischen Kulturen sein müssen. Heute kann die Linke dies aber im Hinblick auf das Grundgesetz und dessen Absage an das Regime der DDR nicht mehr fordern. Die Linken müssten sich eher von den alten Seilschaften trennen, als auf den Gedanken des Kommunismus zu verzichten.

Damals hätte es überhaupt keinen Aufstand geben dürfen! „Demokratie ist die Einsicht in das Notwendige”. Diesen Satz sollten wir eher ernst nehmen, als dass wir ihn als DDR-Anhängsel verdammen. Denn der demokratische Souverän ist es, der die Notwendigkeiten festlegt. Bei unserer heutigen Situation hieße das: eine Volksabstimmung darüber, ob unsere Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel die Misstrauensfrag im Parlament stellen sollte oder nicht. Fiele diese Misstrauensfrage so aus, dass Frau Dr. Merkel das Mandat entzogen würde, wäre noch genügend Zeit, den neuen Bundespräsidenten durch die Nationalversammlung wählen zu lassen, ehe das Parlament des 17. Bundestages sich zur Sommerpause auflöst.

Dann könnten wir im Spätsommer ein neues Parlament wählen. Auf keinen Fall wird es wieder eine schwarz-gelbe Koalition geben. Viel zu unterschiedlich sind die extremen Kräfte von CSU und FDP. Und da niemand mit den „Schmuddelkindern” spielen darf, den Linken, wird es schwer werden, eine regierungsfähige Mehrheit zu finden. Wenn die Linken auf 20% oder mehr kommen (und davon können wir heute ausgehen, denn viele werden aus Protest die Linken wählen) und die Grünen (in der Hoffnung auf eine Absage von der Atomindustrie) ebenfalls 20% und mehr erhalten, dann bleiben für die Unions-Parteien, die FDP und die SPD gerade mal fünfzig bis fünfundfünfzig Prozent übrig. Eine Vier-Parteien-Koalition, wie in anderen Staaten üblich, wird es nicht geben. SPD und Grüne bekämen ebenfalls keine Mehrheit zustande. Genau so wenig wie auch die Union und die Grünen.

Nehmen wir einmal an, Christian Wulff würde es schaffen, innerhalb der ersten beiden Wahlgänge zum Bundespräsidenten gewählt zu werden, wovon mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% bis 53% ausgegangen werden muss, dann heißt das noch lange nicht, dass Frau Dr. Merkel sich noch lange als Kanzlerin an der Macht halten wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht so hoch, wie die, dass Wulff Bundespräsident wird. Einen Sigmar Gabriel oder eine Andrea Nahles als Nachfolger von Frau Dr. Merkel in einer großen Koalition? Der SPD sind schon lange die Begriffe „sozial” und „demokratisch” ausgegangen. Der SPD könnte ich also keine Stimme geben. Genau so wenig der FDP oder den Grünen. Die Grünen schielen ohnehin nur darauf, egal in welcher Konstellation, an der Regierungsmacht partizipieren zu können. Ich müsste entweder die Linke, eine Splitterpartei oder „ungültig” wählen. All das schmeckt mir nicht.

Wenn die Linke ins Parlament möchte und sich (auch als Oppositionspartei) an der Regierungsarbeit beteiligen will, dann muss sie anerkennen, was am 17. Juni 1953 geschehen war. Dann muss sie sich in Demut vor den Opfern des Aufstandes von 1953 verneigen und der Vergangenheit in der DDR-Zeit abschwören. Die gebietet es schon allein dadurch, dass wir heute, Jahr 2010 n.Ch., in einer föderalen Republik leben, in der unser Grundgesetz noch gültigkeit hat. Durch den 2+4-Vertrag hat die DDR diese Bedingungen uneingeschränkt anerkannt. Die Linken haben also kein Recht dazu, alte Seilschaften aus der Machtegide des Ministeriums für Staatsssicherheit zu beherbergen, noch haben sie Recht dazu, die DDR als ein demokratisches System zu bezeichnen. Der DDR-Sozialismus war genau so wenig sozialistisch, wie der Warschauer Pakt etwas mit Kommunismus zu tun gehabt hätte.

Aber: über die Verstaatlichung von Monopolgesellschaften, sollte schon allein im Hinblick auf eine ausgeglichene soziale Marktwirtschaft auf alle Fälle offen im Parlament diskutiert werden. Diese Monopole stehen ebenso zur Disposition, wie auch das Anrecht der Linken, die DDR zu verherrlichen.

Niedergang des demokratischen Verständnisses

Was wir im Moment in Berlin erleben, ist die Demontage einer stabilen Innenpolitik für Deutschland. Selbstgeschaffene Sparzwänge, verzweifelte Versuche, ein Gesicht zu wahren und immer wieder Wähler darüber hinweg zu täuschen, dass sie längst nicht mehr der Souverän des Landes sind, das sich durch feudalistische Avancen von Politik und Wirtschaft immer tiefer in den Dickicht des Faschismus treibt. Wir könnten schon mit ruhigem Gewissen sagen: „Deutschland ist tot. Es lebe Deutschland”. Die wenigen Proteste, die in Berlin für den 12. und 13. Juni 2010 angekündigt sind, stellen nur das Flackern einer kleinen Hoffnungskerze dar. Sie snd schon lange nicht mehr ernst zu nehmen. Der Großteil der Bevölkerung wird sich an der Fussball-WM berauschen, am Bier, am Koks, an all den anderen schönen Drogen, die unser Gesellschaftsystem für sie bereit hält. Niemand wird aufwachen und am eigenen Leibe spüren, wie kalt es doch geworden ist, jetzt zum Beginn des Sommers 2010. Es ist die erbarmungslose Kälte der Orientierungslosigkeit, wie sie einer faschistischen Diktatur voraus geht. Das Deutschland, das einst mit seiner sozialen Marktwirtschaft von Adenauer und Erhard aufgebaut wurde, das von Helmut Kohl in
die Wiedervereinigung geführt wurde, das unter Helmut Schmidt die schlimmsten Unruhen und Terroranschläge erlebt hatte, dieses Deutschland ist in einer Weise führerlos geworden, wie anno 1929 beim Rücktritt Otto von Bismark nach dem „Sozialistenerlass”. Auf keinen Fall war Bismark ein Linker. Aber er wusste, ohne die linken Kräfte, würde es Deutschland zerreißen. Bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen haben die rechts-orientierten Parteien (FDP, CDU und SPD, die inzwischen auch dazu gezählt werden kann), genau wieder das praktiziert, was 1929 mit dem Sozialistenerlass bereits durchexerziert
wurde. Es ist nicht frech gefragt, sondern ganz ehrlich: wer wird unser
neuer Führer? Wer tritt die Nachfolge der Demokratie an? Wer wird der Anführer eines Diktaurregimes? Ist es Gerhard Westerwelle, der sich sehr gut mit faschistischen Methoden auskennt, der weiß, wie man die Massen am Besten mit Zuckerbrot für die Wirtschaft und Peitsche fürs Volk knechtet? Ist es Otto Graf von Solms, das Urgestein rechten Gedankenguts in der FDP? Wir sind an einem Punkt, wo langsam alles möglich wird.

Ich weiß, es gibt unter den über 82 Mio. Einwohnern in Deutschland viel zu viele, die sich nicht für Politik interessieren, denen es wurscht ist, was uns blüht. Es gibt zu viele, denen es egal ist, von wem sie regiert werden, Hauptsache im Fernsehprogramm gibt es genügend Sport und Seifenopern. Ich weiß, dass die Mehrzahl aller Deutschen sich lieber anschickt, sich auf dem Hinterteil auszuruhen und damit zurecht zu kommen, was noch da ist. Es gibt viel zu viele, die davon träumen, nächstes Wochenende im Lotto zu gewinnen oder tatsächlich auf eine Rentenerhöhung zu hoffen. Auch wenn keiner dieser Wunschträume jemals wahr werden wird. Was kommt, wenn Frau Merkel nun zurücktreten muss, weil das Parlament in diesem desolatischen politischen Klima den Mistrauensantrag einfordert? Was wenn das Parlament damit droht, sich
aufzulösen? Was wenn der neue Bundespräsident Gauck heißt? Hat Frau Merkel dann überhaupt noch eine Zukunft als Bundeskanzlerin? Wir sind kurz davor, dass der 17. Deutsche Bundestag sich auflösen wird. Vielleicht dauert es noch ein paar Wochen, bis ein neuer Bundespräsident ernannt ist. Vielleicht bricht die schwarz-gelbe Koalition aber auch schon vorher auseinander. Alles ist möglich. Und dann? Wer jetzt noch keine Angst bekommt, ist entweder schon längst aus
Deutschland geflohen oder dem ist es egal, in wessen braune Uniform er demnächst gesteckt wird.

Was ist los mit Deutschland?

Nun, da haben wir den Salat. Der CDU sind die Wähler in Scharen zur Linken abgewandert, SPD hat Wähler an die Grünen verloren, der Block ProNRW vermutlich an die FDP und so kam es, wie es kommen musste: ein Patt zwischen den großen Parteien in Nordrhein-Westfalen. Ist es da nicht an der Zeit, wirklich konkret einmal an die Änderung unseres Verhältnis-Wahlsystem zu denken? Wie hätte die Zusammensetzung im Düsseldorfer Parlament ausgesehen, wenn wir nur Direktkandidaten ins Parlament wählen könnten, ohne Überhangmandate und Listenplätze?

Sind dem Gesetzgeber die Deutschen Wählerinnen und Wähler nicht mündig genug, mit der Demokratie umzugehen? Warum dann diese Verklausulierung eines Wahlsystems, das immer nur das zementiert, was vorher schon begraben wurde?

Das Bewusstsein für die Verantwortlichkeit

Den Wählerinnen und Wählern wird mit dem 18. Lebensjahr die Fähigkeit bescheinigt, erwachsen und erfahren genug zu sein, ihre eigene politische Meinung kund zu tun. Sie dürfen wählen und sie dürfen sich wählen lassen. Warum haben wir in den Parteien also keine jungen Politiker sitzen? Rösler und zu Guttenberg sind im Moment die einzigen Politiker, die es geschafft haben, auch jünger als fünfzig Jahre alt zu sein. Fürchten sich unsere alten Politiker davor, dass mit dem jungen Blut zu viel neue Ideen auf den Tisch kämen?

Ich weiß noch, wie es war, als ich mich für Politik interessiert habe. Besser hätte man einen jungen Menschen wirklich nicht abschrecken können! „Wenn Du erst einmal an der Front gestanden hast und geschossen hast, dann kannst Du Dich ja mal wieder melden”. Ich denke mal, heute ist es sicher nicht viel anders, denn der SPD-Ortsverband in meiner jetzigen Heimatstadt ist bald ausgestorben, so alt sind dessen Mitglieder.

Wie soll ein junger Mensch heute, unter diesen Umständen, noch ein Bewusstsein für die Verantwortlichkeit zum Gemeinwohl entwickeln können, wenn ihm allenthalben erzählt wird, er sei zu unerfahren und dürfe deshalb nicht mitreden. Die meisten jungen Menschen hören weg, wenn es um Alltagsrealität und die Nöte unseres politischen Systems geht, weil sie sich davon mehr oder minder belästigt fühlen. There´s no fun! bekommt man gesagt, Deutsch wird so wie so nicht mehr gesprochen. Aber die Alltagsrealität besteht eben nicht nur aus Fun, aus Spaß und Freude, sie besteht eben auch aus der Realität, dass unser vom Grundgesetz geregeltes Wahlsystem den Geist aufgibt und uns in eine nie geahnte Schieflage bringt.

Im Grunde wissen nur die ganz Alten, was jetzt noch kommt, die jenigen, die damals als Sozis von den Nazis gejagt wurden, an die Ostfront verbannt und KZs oder Gefängnisse gesperrt wurden, deren bürgerliche Rechte geraubt wurden, sowie auch all ihr Hab und Gut. Wir führen derzeit den selben Eiertanz auf, wie Weiland in der Weimarer Republik 1918 – 1930. Und wir sind quasi im Jahr 1929 angekommen.

Warum mir dieses Datum so im Gedächtnis ist? Weil mein Großvater mir viel über diese Zeit in Berlin, 1922-1934, erzählt hat und mir beschrieben hatte, wie damals die Menschen dachten und lebten. Ich fand über ihn die Liebe zu Tucholski, der für mich keineswegs ein Sozi war, sondern ein erzkonservativer Deutscher, aber eben einer mit dem Blick für die Realitäten. Etwas, was damals der Gesellschaft während der Weimarer Republik genau so gefehlt hat, wie heute den bundesdeutschen Wählerinnen und Wähler.

Der Volks-Souverän

Wer von den Wählern ist heute noch souverän? Alle sind sie verunsichert. Denn, was die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld über die Medien gelernt haben, sind Neid und Missgunst. „Geiz ist geil”, das ist die Devise, auf der heute die Werbung aufbaut. Inzwischen werden sogar ganz gezielt die spirituellen Werte unserer so genannten christlichen Gesinnung angegriffen, siehe die Werbung von Cortal Consors, in der dafür geworben wird, dass die spirituellen Werte in diesem System der wirtschaftlichen Globalisierung nichts zu suchen haben.

Das Bild des Neo-Faschismus hat sich vom Braunhemden, den man noch an seiner Uniform erkannte, zu einem diffusen Bild des Neo-Kapitalisten gewandelt. Aber das war auch damals schon so. Was sagte mein Großvater mir? „Die Judenverfolgung und der Nationalsozialismus war vor allem eine Sache des Geldes! Es ging nur ums Geld!” Und so unrecht hatte er nicht. Es stimmt, es geht immer um das Geld. Und zwar um das frei verfügbare Geld, das der Volks-Souverän, also die Wählerinnen und Wähler in unserer Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung haben. Das Geld will man, da will man ran!

Wie souverän sind wir also? Sind wir in der Lage, vom durch das verbriefte Recht des Grundgesetzes Gebrauch zu machen und auf die Straße zu gehen und gegen den Neo-Faschismus der wirtschaftlichen Globalisierung anzutreten und offen und ohne Umschweife unsere Meinung zu sagen? Nein. Damals, als Helmut Kohl den Hausfrauen, die gerne arbeiten gegangen wären, versprach, dass jedes Kind einen Kindergartenplatz garantiert bekommt, da passierte nichts. Warum sind die Frauen nicht mit Kinderwagen bewaffnet mit ihren Kindern direkt zum Frankfurter Kreuz marschiert und hätten das Frankfurter Kreuz in Ost-West und Nord-Süd Richtung besetzt? Nicht ein Wasserwerfer hätte sich gewagt, gegen Kinderwagen anzugehen, wenn dort Kinder drin liegen. Sicher, das wäre ein Machtmissbrauch auf Kosten der Kinder gewesen, aber es wäre eine legitime Waffe gegen unsere Politik geworden.

Niemand hätte diese Demonstration verbieten können. Niemand wäre dagegen eingeschritten. Aber das System der wirtschaftlichen Globalisierung hätte zur spüren bekommen, was es heißt, wenn der Volks-Souverän sich seiner plötzlich bewusst wird!

Gegen den globalen Suizid

19. Dezember 2009 ist ein denkwürdiger Tag. Die »Großen« haben die Welt offiziell aufgegeben, konnten sich nicht einigen, ob die Welt es wert sein würde, für ihren Erhalt zu kämpfen. Es war, als würde man streitend das Totenbett des Patienten Erde verlassen, weil man sich über die Konsequenz des Erbes nicht einigen konnte. Und dieses Erbe erfordert konsequentes Verhalten. Genau dazu aber, sind weder die Politiker bereit, noch der größte Teil der konsumierenden Bevölkerung.

Die Frage ist nicht der Quotenhandel für CO2 und die anderen technischen Gase, wie Methan, Stickoxyd, Lachgas, FCKW oder andere unsere Ozonschicht beschädigende Stoffe. Die Frage ist, wie wir Menschen unser Miteinander untereinander auszurichten haben, damit wir nicht als die Ursache für das totale ökologische Versagen in die noch relativ junge Geschichte des Planeten Erde eingehen. Ich habe niemals einen Hehl daraus gemacht, dass die bisher erforschte Erdgeschichte belegen kann, dass die Natur niemals auf den Menschen angewiesen war; und dass die Natur uns liebend gerne los wäre, weil wir ihr nur als Belastung vorkommen müssen. Mit »Natur« meine ich dabei all die anderen Geschöpfe in unserem ökologischen Kontext, in dem wir nur einen winzigen Teil ausmachen, aber mit unserer egozentrischen Sichtweise katastrophale Folgen hinterlassen.

Die Frage ist nicht, wie viel CO2 darf jeder Mensch produzieren, damit das Klima sich nicht erwärmt. Die Frage ist doch, was muss jeder Mensch für die anderen Menschen tun und zu tun bereit sein, damit die Spezies Mensch nicht von der Natur als unbrauchbar ausgestoßen und endgültig zum Tode verurteilt wird. So, wie die Sachlage sich derzeit darstellt, steht der Urteilsspruch bei den Geschworenen schon längst fest.

Überlegen wir uns nicht genau, welches Plädoyer wir für UNS vorbringen, steht auch das Urteil fest. Nur, dann ist es wirklich die Frage, warum bringen wir uns nicht alle gleich um? Welchen Sinn macht es dann noch, weiter leben zu wollen, wenn jeder Tag mehr Mühsal und Qualen mit sich bringen wird, als der Tag davor, denn wenn wir in diesem Plädoyer versagen, dann gibt es keine Zukunft oder Perspektive mehr für unser Weiterleben.

Ohne eine Umkehr im Denken des Menschen, dass nämlich der Zusammenhalt mit seinem Mitmenschen der Weg für ein weiteres Leben ist und nicht der ökonomische Profit, um sich gegen seine Mitmenschen zu erheben, wird es keine Perspektive für ein Weiterleben geben. Ohne die Umkehr, lernen zu wollen, wie ein ökologisches System »Biosphere One«, unsere Erde, funktioniert und unser Verhalten dem aktuellen Wissen der exakten Wissenschaften anpassen zu wollen, wird das ökologische System »Biosphere One« sich gegen uns entscheiden und unseren sofortigen Ausschluss verkünden. Wir brauchen keine sinnlose UN-EP-Konferenzen mehr, wie Kopenhagen oder Kyoto, bei denen Millionen Euro für das Konferenz-Beiprogramm aufgewendet werden, nur um die politischen Unterhändler zu unterhalten. Wir brauchen eine UN, die mit einer Stimme spricht und endlich ihrer Aufgabe gerecht wird, wozu sie geschaffen worden ist: der Sicherung der Zukunft unserer menschlichen Spezies.

Wir stehen wirklich direkt vor der Entscheidung für und wider dem kollektiven Massenselbstmord einer ganzen Spezies: der Spezies Mensch. Wer das nicht begreifen will, ist im Prinzip bereits tot.

Ist in Deutschland eine totalitäre, faschistische Regierung möglich?

Ja. Und das sage ich voller Schrecken. Die Mehrzahl der Menschen in unserem Land sind nicht bereit, für ihre durch das Grundgesetz verbrieften Rechten und Pflichten einzustehen. Unser Land ist zu einer Nation von »Ja-Sagern« und »Geht-mich-nichts-an-Ignoranten« verkommen. Dahinter steht zum großen Teil die noch immer durch die preußische Untertantreue geprägte Erziehung unserer Jugend. Wenn ein Erwachsener oder jemand, der älter als man selbst ist, sagt, dann ist das für den Deutschen Gesetz. Autorität, auch da, wo sie überhaupt nicht vorhanden ist, ist für das deutsche Kind und den deutschen Jugendlichen allgegenwärtig. Natürlich wird sie bekämpft, wo immer sie auftaucht und sich versucht, über das eigene Ich hinwegzusetzen. Und genau daraus entsteht eine Orientierungslosigkeit, die unsere Kinder und Jugendliche mehr und mehr dem rechten Gedankengut in die Arme treibt. Auch bei den Erwachsenen, auch jener Generationen, die schon lange nach dem 2. Weltkrieg geboren wurden, gibt es vermehrt nationalistisches Gedankengut.

Sicher, wir brauchen in Europa auch ein nationales Bewusstsein. Europa ist keine föderale Union, es ist ein Zusammenschluss von souveränen Staaten und das ist auch wichtig so. Jede Nation in der EU ist für das Ganze wichtig; und gegen ein gesundes nationales Bewusstsein ist auch nichts einzuwenden. Aber wir dürfen nicht in den gleichen Fehler verfallen, den der Sozialismus im Ostblock begangen hat, in dem er alle »gleich« machen wollte. Das große Problem mit unserer Nation von »Ja-Sagern« und »Geht-mich-nichts-an-Ignoranten« ist, dass es in dieser (durchaus negativen) Sichtweise bereits eine sehr große Gleichheit gibt. Niemand traut sich mehr, aus dieser Gleichheit herauszuragen und sich gegen den großen Strom der Masse zu stemmen. Wer sich das traut, ist in unserer Gesellschaft ein Außenseiter und muss damit rechnen, dass man ihn meidet und schneidet. Sicher, das mag nicht fair sein, aber es ist die normale, allgemein (wenn auch schweigend) anerkannte Umgangsform. Wer sich gegen das Schweigen erhebt, stellt sich gegen eine schweigende Mehrheit.
1945 war es auch die schweigende Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die nichts vom Holocaust geahnt haben will. Bis 1945 war es auch eine schweigende Mehrheit, die Mitglieder des Widerstandes, Sozialisten und Kommunisten, Zigeuner und Schwule, Juden und anders Gläubige denunziert und verfolgt haben. Selbst in meiner heutigen Heimatgemeinde nahe Frankfurt/Main ist die Zeit von 1930-1945 eine Zeit der Verfolgung gewesen. Es ist aber nicht nur so, dass es erst ab 1930 absehbar gewesen wäre, dass der Nationalsozialismus die Oberhand über die Weimarer Republik gewinnen wird. Die Tendenzen waren schon viel früher erkennbar und haben sich über die ganze Zeit von 1924 bis 1933 (Hitlers Ermächtigungsgesetz im Reichstag) deutlich abgezeichnet. Wie einst auch Martin Luther nach der Reformation, wurden viele Mitglieder der großen Kirchen (sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche im Deutschen Reich) zu »Judenhassern«. Ein unsäglicher Zustand, der den Widerstandskämpfer und evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer dazu zwang, sich auch gegen seine eigene Kirche zu stellen. Dietrich Bonhoeffer war ein Mensch, der nicht schweigen wollte.

Die ganze spätere Geschichte der DDR (von 1949 bis 1989) war vom Schweigen geprägt. Sowohl in der DDR wurde geschwiegen, als auch bei uns im Westen. Die Studentenunruhen in den 70ern und 80ern und der Terror der RAF waren die einzigen Zäsuren in unserer Geschichte, in der das Schweigen für kurze Momente gebrochen wurde. Aber die Mehrheit der Deutschen hat niemals von der deutschen Geschichte gelernt und sich immer noch verhalten, als lebten wir im Kaiserreich von Friedrich II. Preußische Obrigkeit und Dünkel waren damals die Grundlage für den Nationalsozialismus und sind heute noch Grundlage für den sich immer weiter hoffähig machenden Rechtsradikalismus, der inzwischen zu Teilen sogar bürgerliche Parteien erfasst hat. So wechselten ca. 134000 Wähler von der NPD zur FDP. Und wer in Deutschland die NPD-Wählerschaft für unterbemittelt hält, der täuscht sich in diesem Klientel ganz gewaltig. Es gibt nicht wenige aus dem gutsituierten bürgerlichen Lager, die mit den rechtsradikalen Ideen sympathisieren. Und es ist auch das Geld aus dem bürgerlichen Lager, dass die heutigen Aktionen (vor Schulhöfen, in Kinder- und Jugend-Freizeitlagern, im Sozialwesen) der rechtsradikalen Parteien unterstützt. Darüber wird selbstverständlich auch geschwiegen. Und so schürt das Schweigen in Deutschland weiter und weiter den rechten Kern unserer Politik, der sich irgendwann (auch in Form des Globalismus) verselbstständigt hat.

Ja, eine radikale, faschistische Regierung in Deutschland ist jederzeit wieder möglich. Italien hat es uns in Europa vorgemacht, wie leicht das zu bewerkstelligen ist.

Das Los mit dem/n Grenzen/los

Man muss seine Grenzen erkennen können. Das ist das elementare Element einer gesunden evolutionären Haltung innerhalb dieses Biosphären-Systems, das allein auf den Prinzipien der Ökologie beruhen kann. Ich bin kein »Grüner«, ich bin auch kein Öko-Freak, ich bin ein Mensch, der es gelernt hat, eben diese Grenzen als durch Gott (oder was immer die Menschen dafür halten wollen) und die Naturgesetze gegeben anzuerkennen. Ich habe in meinem Handlungsspektrum entsprechende Grenzen zu befolgen, sonst füge ich mir selbst oder anderen Menschen, meiner Umwelt oder der Natur Schaden zu. Das fatale ist, dass wir in unserer Gesellschaft leider schon so viele Grenzen überschritten haben, dass dadurch auch für mich Sachzwänge entstehen, durch die ich diese Grenzen verletze. Der einzige Unterschied mag sein, dass ich mir dessen voll und ganz bewusst bin, dass ich mit dieser Einschränkung, die ich als Gewaltakt gegen meine Individualität und meine Selbstbestimmung bezeichnen möchte, leben muss. Ich kann mich dessen nicht aktiv zur Wehr setzen, weil für mich als Staatsbürger herrschende Gesetze mich daran hindern. Wir sind in einer gesellschaftlichen Situation angelangt, in der wir uns mit einer Konstellation auseinander setzen müssen, die Franz Kafka als Alptraum bezeichnet hätte. Dieses System zu durchblicken, sich nicht vom Mainstream beirren zu lassen, seiner eigenen Überzeugung treu zu bleiben und sein eigenes Tun und Handeln danach auszurichten, das würde ich durchaus als den spirituellen Weg bezeichnen, sich in einer gegebenen Situation zurecht zu finden.

Wir müssen in unserer Gesellschaft heute mehr denn je üben und erlernen, Grenzen zu erkennen und diese Grenzen zu respektieren. Wir sind als suchtgeprägte Gesellschaftsform leider absolut grenzenlos geworden. Fortschritt, Wachstum, Rendite und Gewinne in exorbitanter Höhe (welcher Unternehmer hätte zu meiner Zeit schon in Milliarden gerechnet?), das ist die Gigantomanie pur. Ich habe so viele süchtige Manager erlebt (egal ob Alkohol, Koks oder Arbeits- und Geltungssucht), dass ich es nicht mehr an zwei Händen abzählen kann. Ich habe diese Menschen durchaus kennen und verstehen gelernt, wie sie ticken und wie sie ihr Denken in Handeln umsetzen. Vieles war für mich durchsichtig und vorhersehbar und manches, was ich mir noch als katastrophales Zukunfts-Szenario ausgemalt habe, haben sie tatsächlich Wirklichkeit werden lassen. Nur, mir war bewusst, dass ich an diesem Fortgang der aktuellen Zeitgeschichte nichts mehr ändern kann. Ich selbst musste aber als Unternehmer nicht die selben Fehler machen, ich hatte durchaus die individuelle Freiheit, auch meine eigenen Fehlgriffe zu gestalten.

Eine Gesellschaft erfordert Grenzen. Egal, ob es nun die politischen Grenzen eines souveränen Staates sind oder ob es die rein individuellen Grenzen der persönlichen Intimität. Sie sind beide wichtig. Aber sie sind nicht dazu da, dass wir diese Grenzen im Alltag missbrauchen, sie übertreten, sie verletzen und aber auch da etablieren, wo das Vorhandensein einer Grenze Missachtung, Misstrauen, Verletzung bedeutet. Wie oft setzen wir diese Grenzen als ein Machtwerkzeug ein, um uns von anderen abheben zu können? Eine Grenze soll uns die innere Integrität sichern. »Hier bin ich!« – das ist die Aussage, die dahinter steht.

Ich bin bei meinen Betrachtungen auf eine sehr schwierige Kontroverse mit den Grenzen gestoßen: Israel. Israel hat seine Grenzen nicht ausschließlich zum Schutz gegen feindliche Übergriffe gestaltet. Die Grenze zwischen Israel und Libanon oder auch die Grenze um den Gaza-Streifen, sind auch dazu da, den anderen verstehen zu geben »ich sehe Dich nicht! Du bist für mich nicht existent!« Das ist keine Position, der man Glauben schenken kann, wenn es einst wieder zu Friedensverhandlungen kommen sollte. Denn Frieden kann ich nur schließen, wenn ich einen Menschen sehe, wenn ich seine Existenz wahrnehme und anerkenne.

Gipfel der Unvernunft

Heute ist der Tag des Welternährungsgipfels in Rom. Und es ist der Gipfel der Unvernunft, wenn ausgerechnet der Papst Benedict XVI. sich vor das Mikrofon stellt und jammert, dass alle sechs Sekunden ein Kind wegen Unterernährung sterben muss und dass deshalb für unsere „zivilisierte Welt“ die Aufgabe bestünde, das wirtschaftliche Wachstum zu sichern, um die armen hungerleidenden Säuglinge zu ernähren! Man sollte diesen Mann wegen Massenmord anklagen! Denn, wer Kondome verbietet und damit Milliardenfaches Leid über Frauen und ihre ungewollte Mutterschaft bringt, der weismachen will, nur der Glaube allein schütze vor AIDS, der ist genau so dafür zur Verantwortung zu ziehen, wie jeder andere Kriegsverbrecher auch.

Ich will nicht das Leid des Hungers herunter spielen. Aber es packt mich eine unbändige Wut, wenn wir das Leid des Hungers dazu hernehmen, um unseren Wachstumswahnsinn zu legitimieren. Es kann doch nicht sein, dass wir mit anderen Worten genau das versuchen umzusetzen, was die Nazis in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts als Grund aufgeführt haben, unsere prosperitierende Bevölkerung durch den Raub und den Mord in den Nachbarstaaten zu ernähren und damit Millionen Menschen zu ermorden, nur damit das Deutsche Reich seinen Wachstumswahnsinn verwirklichen konnte? Wo, bitte schön, sind da die Unterschiede?

Wir können nur einen Weg gehen: freier Zugang zur Frauenbildung weltweit – freier Zugang zur Schwangerschaftsverhütung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten für ALLE – Geburtenkontrolle, dass nur so viele Kinder geboren werden, wie jedes souveräne Land innerhalb seiner Grenzen ernähren kann – staatliche Kontrolle darüber, dass jedem Menschen ausreichend sauberes Trinkwasser für die Ernährung zur Verfügung steht (das wären drei Liter Trinkwasser für jeden Menschen am Tag) – kein Wachstum größer als das ökologische Gesamtprodukt eines souveränen Staates mehr. Das bedeutet sicher, dass wir Abstriche an unserem Lebensstandard machen müssen. Aber es bedeutet auch, dass die Frauen sich politisch mehr für ihre Bildung einsetzen müssen! Das muss schon in der Schule anfangen, denn die Frauen sind es, die in dieser Hinsicht noch politisch etwas bewegen könnten.