Veraltete Sensationen und der Kummer der Journalisten

Die Nachrichten von heute sind schon veraltet, ehe man sie wahrgenommen hat. Das ist der Lauf der Dinge und eines der größten Probleme für den modernen Journalismus. Die zunehmende Geschwindigkeit, mit der Nachrichten und ihre Schlagzeilen generiert werden, lassen kaum noch Zeit genug, um Quellen und Inhalte ausführlich zu recherchieren und prüfen. Mit der sinkenden Qualität der verbreiteten Nachrichten verringert sich aber nicht nur das Vertrauen in die Verlässlichkeit des Journalismus, es führt auch zu einer schleichenden und fortschreitenden Geschichtsfälschung. Wer sich den Inhalt von heutigen Nachrichten in zehn Jahren oder mehr betrachtet, kann sich sicher sein, dass kaum ein Bruchteil der Nachrichteninhalte der damaligen Wirklichkeit entsprochen hatte. Dadurch verfällt der historische Wert einer Nachricht gegen Null.

Der historische Wert einer Nachricht wird viel zu wenig beachtet. Die Nachvollziehbarkeit einer historischen Entwicklung ist von besonderem Wert, wenn daraus auch eine Entwicklung für die Zukunft abgeleitet werden soll. Heutiger Journalismus scheint darauf wenig Rücksicht zu nehmen. Journalisten sind heute mehr denn je in einer monetären Abhängigkeit zu Verlegern und Medienkonzernen, die ausschließlich mit Sensationen Kasse machen (wollen), um mit gesteigerten Auflagen oder Multi-Millionen-Klicks im Internet ihre Werbekunden befriedigen zu können.

Das eigentliche Ziel des Journalismus, meinungsbildende Informationen zu liefern, die auf Tatsachen beruhen, gerät dabei aus dem Fokus der Betrachtung. Die Bedeutung des Journalismus in seiner aktuellen Situation der marktpolitischen Abhängigkeit resultiert auch in der momentanen Situation der bundesdeutschen Politik. Das Wort „Lügenpresse“ kommt bestimmt nicht von ungefähr daher. Das Vertrauen in die Inhalte althergebrachter Print-Medien ist größtenteils verspielt und das nicht erst sein der Veröffentlichung der angeblichen Hitler-Tagebücher durch das Stern-Magazin. Auch andere Verlage und Herausgeber haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Der einzige Weg aus diesem Dilemma ist und bleibt der Bildungsweg. Fehlende fundamentale Allgemeinbildung führt mitunter nicht nur zu katastrophalen Fehleinschätzungen, sie führt auch zu politischer Unsicherheit und Unruhe. Gerade im journalistischen Bereich ist die Vorbildung in Politik und Geschichte eine Grundvoraussetzung. Hier sollten auch die Schwerpunkte in der journalistischen Ausbildung gesetzt werden.

Ich muss oft feststellen, dass gerade journalistische Publikationen im Internet diese Vorbildung missen lassen. Und nicht selten liegt es daran, dass die Lehrer und Dozenten nicht in der Lage sind, ihren Schülern und Studenten einen lebendigen Lernstoff für das Fach Geschichte zu liefern und sie für eigenen Erkenntnisse zu begeistern.

Geschichte ist eben nicht nur die bloße Aneinanderreihung von Daten und Fakten, sondern es ist auch der volkswirtschaftliche Überblick über die politischen Auswirkungen von Ereignissen und Entscheidungen Einzelner. Es geht schließlich nicht nur um die Schlagzeile, die von uns Journalisten verbreitet werden soll, sondern auch um die Lehre und Erfahrung, wie wir in Zukunft anders verfahren können oder müssen.