Vom Wert der Worte…

In Gedenken an die am 7.1.2015 in Paris getöteten Opfer…

Nach diesem schrecklichen Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo musste ich über den Wert der Worte nachdenken. Welchen Wert haben die nicht ausgesprochenen Gedanken, die nur gedachten Gedanken, wenn wir sie nicht aussprechen – aussprechen dürfen? Eines muss man den Redakteuren und Mitarbeitern von Charlie Hebdo zu Gute halten, nämlich dass sie sich an die verfassungsgemäße Sekularität, der Trennung von Kirche und Staat, gehalten haben. Glaube ist Glaube – und Politik ist Politik. Und da Satire immer mehr auf der Seite der Politik zu finden ist, als dass sie sich mit Glaubensdingen befasst, musste sie sich der Einmischung von Glaubensdingen in die Politik unserer freien Welt zur Wehr setzen. Auch darf Glaube sich nicht in Staatsdinge einmischen. Ich weiß, es ist schwer, sich mit Dingen zu befassen, die unbegreiflich sind, weil wir sie weder berühren noch wahrnehmen können. Hass zwischen den Menschen, aus welchen Gründen auch immer, ist so ein Ding. Fühlen beeinflusst unser Denken. Und unser Denken beeinflusst unser Handeln. Und so glauben immer mehr Menschen, dass sie sich benachteiligt und übervorteilt fühlen, dass sie dieses Gefühl des Hasses empfinden. Und dieser Hass brach sich wieder mal in der Ermordung von 12 Menschen und damit fast der gesamten Redaktion von Charlie Hebdo ihre Bahn. Jetzt kommt es ganz besonders darauf an, welche Worte wir in Zukunft wählen, gerade im Journalismus, damit wir nicht noch mehr Gefühle des Hasses sähen – und uns statt dessen auf die verfassungsgemäße Sekularität berufen. Recht muss gesprochen werden. Aber bei uns wird das Recht vom Staat gesprochen – und nicht von Glaubensvertretern.

Aber auch die Politiker in unserer NATO, von wem ich spreche, das wissen diese Personen ganz genau, müssen lernen, dass diese Trennung von Glaube und Politik unerlässlich ist. Ein Staatsmann ist ein Vertreter des Volkes – des ganzen Volkes, egal ob einzelne Bürgerinnen und Bürger dieses Volkes an diesen Staatsmann glauben wollen oder nicht. Ein Staatsmann darf sich nicht anschicken, sich dem Glauben hinzugeben, und von seinem Volk zu verlangen, sich seinem Glauben anzuschließen. Der Wert unserer Worte, gerade in der Presse, ist die unermessliche Freiheit, zu zweifeln, nicht zu glauben, Dinge zu hinterfragen und Kritik zu üben – oder Kritiker zu verspotten. In unserer freien Welt ist der Wert der Worte, dass auch Staatsmänner und Glaubensvertreter diese Kritik ertragen müssen. Können sie es nicht, müssen sie es lernen oder abtreten. Denn nochein Wert ist in unseren Worten: wir können Kritik anhören und vergessen – oder wir können vielleicht auch etwas daraus lernen. Zumindest können wir aus dem Wert der Worte Toleranz lernen.

Danke, Charlie Hebdo.