Lern-Kultur?

Also, ich muss schon sagen. Ich bin nicht minder überrascht, über die heutige Einstellung von Studenten zu ihren Lernzielen. Denn diese Woche hatte ich wieder mal ein Erlebnis der besonderen Art. Auf einer Tagung traf ich auf Studenten, die sich beklagten, sie bekämen von der Industrie keinerlei Projekte für ihre Tätigkeit (ähm, wo man annehmen muss, dass die Haupttätigkeit eines Studenten ja das Studieren sein sollte – oder irre ich mich da?). Da sagte ich, dem kann geholfen werden, denn ich hatte für die Studenten genau aus ihrem Fachgebiet eine interessante Aufgabe, die ich zwar mit meinem Knowhow komplett lösen könnte (wenn ich zwanzig Hände, zwanzig Füße und zehn Köpfe hätte wäre das überhaupt kein Problem), aber mir fehlt einfach die Zeit.

Also schilderte ich jenen Studenten meine Aufgabe, damit sie diese Aufgabe dann ihrem Professor vorlegen konnten, um eine Beurteilung zu erlangen, ob die Aufgabe für den universitären Lernstoff interessant genug ist (aus der Aufgabe hätte man gut und gerne zwei Diplomarbeiten machen können, eine Thema Fahr-Assistenzsysteme für Motorräder und zweitens eine für Telemetrie und Rettungssysteme für Motorräder) – und was kam zurück? Dass sie dafür ein Beratungshonorar (anders kann ich es nicht definieren) einstreichen wollten und dass sie sich enttäuscht zeigten, dass ich lediglich die Hardwarekosten übernehmen würde… Studenten! Ich habe es meiner Lebensgefährtin erzählt, die hat lauthals lachen müssen, und sie erzählte mir dann gleich, wie es bei Ihr damals zur Zeit der Promotion zuging. Ich selbst hatte ebenfalls ähnliches erlebt und wir beide waren doch recht fassungslos ob dieser Dreistigkeit.

Ich persönlich hätte mich damals wirklich über jeden Brocken praktischer Herausforderung während meiner Ausbildung gefreut – und habe mich auch tatsächlich gefreut, wenn so etwas auf mich zu kam. Wohlgemerkt, ebenfalls im Fachgebiet Informatik, wo Lernen zum täglichen Alltag gehört, auch für mich auch heute noch, selbst nach nunmehr 38 Jahren Praxis! Und ich hätte sicherlich nicht mit meinem theoretischen Hirnschmalz hinterm Berg gehalten und diese Studenten alles alleine machen lassen. Ganz bestimmt nicht. Aber ich hätte ihnen sicher bei einem solchen Projekt auch noch sehr, sehr viel technisches Knowhow mitgeben können, an das sie ohne die industrielle Erfahrung niemals herankommen würden. Und da brauche ich nicht angeben, denn ich habe selbst an unzähligen „Schlüssel-Entwicklungen“, die für die Branchen in späterer Zeit richtungsweisend waren, mitgewirkt.

Und dann ist da noch diese rechtliche Seite. Ich war wirklich drauf und dran in Saarbrücken bei der Finanzbehörde anzufragen, ob Herr So-und-so und Herr Sonst-wie eine Umsatzsteuer-ID besitzen… und hätten sie nicht, dann wäre die Steuerfahndung vor der Tür gestanden.

Es ist unverantwortlich von den betreuenden Professoren, dass sie hier keinerlei Fürsorge übernehmen und ihre Studenten besser unterweisen, was es juristisch mit dem Codex des Freiberuflers in beratender Tätigkeit auf sich hat. Sonst kommt mancher in Teufelsküche, noch bevor er überhaupt sein Diplom in der Tasche hat.

Und zudem, diese Anmaßung eine „Beratungsleistung“ anbieten zu wollen, wenn man noch nicht einmal fertig gelernt hat? Ich selbst habe über viele Jahre „Berater“ gelernt! Und das von der Pike auf. Angefangen beim Aktenschleppen und Protokolle schreiben. Und langsam habe ich mich frei schwimmen dürfen, bis ich dann auch mein allererstes Projekt mit Bravour in den Sand setzen durfte. Und dann ging es trotzdem weiter. Sicher, ich saß auch vor Gericht, mit meinem Vertragspartner und wir fanden einen Vergleich. Aber trotzdem war diese Erfahrung für mich (der da schon lange fachlich ausgelernt hatte) eine wichtige Erfahrung, die für mich zum Berater-Metier dazu gehört.

Bundespräsident – Klappe, die 11te…

Nun können wir wieder rufen: „Habemus Rex“. Wir haben ein neues Staatsoberhaupt. Unser elftes, seit Bestehen der Bundesrepublik. Selbst Prof. Dr. Lammert, seines Zeichens Zeremonienmeister bei der Wahl des Bundespräsidenten, mahnte an. dass es langsam zur Gewohnheit wurde, dass die Amtszeiten deutscher Bundespräsidenten immer kürzer wurden. Und gewöhnlich sollte die mindestens 5 Jahre dauern. Mancher schafften nicht mal zwei Jahre. Wie ist das nun mit unserem „Neuen“? Ich kann nur hoffen (auch hinsichtlich seiner früheren Äußerungen zu Occupy und ähnlichem), dass er sich der Würde seines Amtes voll und ganz bewusst ist – und den Weg der Integration fortsetzt. Integration bedeutet nämlich auch, dass wir auch die kritisch denkenden Menschen, diejenigen, die nicht im Mainstream der „Öffentlichen Meinung“ mitschwimmen, in unsere Gesellschaft integrieren müssen. Also heißt es abwarten, welche Position er bezieht – was wir wohl spätestens wieder zu der inzwischen liebgewonnenen „Berliner Rede“ unserer Bundespräsidenten-Aspiranten entnehmen können.

Ich möchte davor Warnen, zu meinen, man könne auf das Amt des Bundespräsidenten verzichten – und sei es nur wegen der anfallenden Kosten. Wir brauchen einen Bundespräsident, denn wenn wir einen Entscheider brauchen, der uns auch bei Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes weiterhelfen kann, in dem er die Regierung entlässt und das Parlament auflöst und somit den Weg zu einem neuen parlamentarischen Weg frei macht, wenn wir mit „Mutti“ und Konsorten in Konflikt geraten sollten – dann ist es der Bundespräsident. Und wenn seine Rolle nur darin besteht, dass die Verfassungsorgane den Sachverhalt zu prüfen haben – weil von IHM angeordnet.

Aber dazu muss der Bundespräsident eine durch und durch integere Person sein. Und offensichtlich scheint Herr Gauck genau das zu sein.