Tumult und Chaos in Großbritannien

Und, was haben wir nun davon?

Es ist schon erstaunlich, wie entsetzt man auf die Auswirkungen der Gewalt in Großbritannien reagiert und wie gleich unsere Gesellschaftsexperten aus ihren Löchern gestiegen kommen und mutmaßen, auch bei uns in Deutschland können solche Zustände aufkommen. Natürlich wird das geschehen, denn inzwischen ist etwas passiert, was sich vermutlich kein Politiker (zumindest keine, die nicht mehr klar denken können – und die anderen, die denken können, haben sich längst aus der aktiven Politik zurückgezogen) sich hat vorstellen können: ihre Worte, seien sie auch so mahnend, wie drohend, werden nicht mehr gehört. Der Mob schlägt zu – hoch lebe die Anomie.

Natürlich ist das kein Zustand, der innerhalb unseres Rechtsstaat existieren darf. Und wir fürchten nicht zu unrecht die Auswirkungen auf unseren Lebensalltag. Wenn uns die Wohnung über dem Kopf abbrennt, der Arbeitsplatz, von dem unsere ganze Existenz abhängt, geplündert und zertrümmert wird. Wenn Menschen grundlos getötet werden, einfach nur in Wut und Raserei. Und genau das sind die Auswirkungen, vor denen sich die meisten britischen Bürger fürchten. Aber wundern brauchen sie sich nun wirklich nicht. Denn die Konflikte, die nun hervorgebrochen sind, die sind hausgemacht. Aber nicht spezifisch für Großbritannien, sondern sind genau so in vielen anderen Staaten vorzufinden.

Was ist passiert? Sagen wir es mal so: wenn ich dem Volk ständig etwas vom Wachstum vorpredige, es sozusagen vorführe, wie unfähig die BürgerInnen sind, sich selbst zu ernähren, für ihre Wohnung und ihre Kinder zu sorgen, dann muss ich mich nicht wundern, wenn das irgendwann auf eine handfeste Kritik stößt. Und auch unsere Regierung tut nichts anderes: da wird offen darüber parliert, dass die Griechen ihren Gürtel enger schnallen müssen, dass die Spanier und Italiener ihre Finanzen in Ordnung bringen müssten. Dass die Franzosen wie auch die Briten sich drum kümmern müssten, die sozialen Brennpunkte zu befrieden. Unsere Politiker in Deutschland reden über ihre ausländischen Kollegen in einem herablassenden Ton, dass es schon Scham auslöst, Deutscher zu sein! Und hier im Inland verhalten sich unsere Politiker nicht anders. Da wird den Hartz-IV-Empfängern der Arbeitsplatz weggenommen (wie gestern in Würzburg bei Nutzbar geschehen), weil Gelder eingespart werden müssen, denen man den ach so armen, notleidenden Banken ins Hinterteil blasen muss. Da wird über Steuererhöhungen gefaselt, die letztendlich über die versteckte Inflation dann nur die unteren Schichten unserer Bevölkerung betreffen. Da soll die Kraftfahrzeugsteuer abgeschafft werden, die vor allem die Fahrzeughalter trifft, die einen Porsche Cayen ihr eigen nennt oder sich im VW Phaeton durch die Gegend kutschiert. Diejenigen, die sparsame und saubere Fahrzeuge fahren (z.B. mein Motorrad, eine Honda SH300i mit 22 Euro im Jahr an Kfz-Steuer und 3,6g CO1 pro km), die werden dann mit 18 Euro-Cents pro Liter mehr für den Treibstoff bestraft. Da wird jetzt mit Bio-Kerosin bei den Luftfahrtgesellschaften geflogen! Dass dahinter auch die Konsequenz steht, dass unsere Lebensmittel sich enorm verteuern, auf die ja nicht immer nur 7% Mehrwertsteuer gezahlt werden muss, sondern in vielen Fällen 19% (und wenn der Grundpreis steigt, steigt auch der Steueranteil, also auch eine Art der Inflation), das verschweigt man geflissentlich. Aber genau das trifft die unteren Einkommensgruppen! Ich werde noch einen extra Blogartikel zu der Bio-Sprit-Problematik verfassen. Versprochen!

Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn uns die Wut hierzulande auch demnächst um die Ohren fliegt – und vor allem die trifft, die ohnehin schon ganz unten sind!

Siehe auch Referenz-Artikel aus der Redaktion der tagesschau.de

Themenblock Bio-Sprit – Erster Teil

Bio-Sprit ist klimaneutral?

Schon immer fand ich diese Wortschöpfung klimaneutral putzig. So, als könne man den CO2-Ausstoß einfach wegdiskutieren. Denn wenn ich Bio-Sprit herstelle, dann muss ich mit großen, schweren Landmaschinen (so ein heute gebräuchlicher Traktor Marke Claas-Fahr, John Deere oder New Holland hat ein großes abgasgeladenes V6-Triebwerk mit bis zu 120 bis 160kg/PS Zugkraft mit bis zu 400PS und tankt bis zu 600 Liter Diesel für einen Arbeitstag) auffahren, die große Flächen von erodierender Erde bearbeiten, um darauf Raps, Getreide oder andere Bio-Masse hervor zu bringen. Und dann fährt dieser Traktor kilometerweit bis zum Einsatzort, zur Tankstelle und wieder zurück und fährt hunderte von Kilometer um sein Tagewerk zu verrichten. Und so eine Maschine ist nicht nur an einem Tag im Jahr aktiv. Während dieser Zeit werden irre Mengen CO1 und CO2 produziert (wir sprechen hier von bis zu 17,5kg CO2 und 1200g CO1 pro gefahrenen Kilometer) – und wenn geerntet wurde und mit Unmengen von kinetischer und elektrischer Energie wieder Bio-Diesel, Bio-Benzin und Bio-Kerosin draus geworden ist, dann wird das ganze KLIMANEUTRAL genannt. Pro Arbeitstag können wir in der Landwirtschaft von über 2 Tonnen CO2 und rund 150kg CO1 rechnen. Bei rund 200 Einsatztagen im Jahr sind das pro Betrieb etwa 400 Tonnen CO2 und 30 Tonnen CO1.

Bio-Sprit ist nicht nur Klimakiller…

… sondern, er sorgt auch dafür, dass unsere Grundpreise für aus Getreide und anderen landwirtschaftlich erzeugten Produkten rasant steigen werden. Ein Kilogramm Brot wird uns dann ca. 10 Euro kosten! Nein, das ist nicht übertrieben, denn wenn wir uns das aktuelle Jahr 2011 in Hessen anschauen, dann werden die landwirtschaftlichen Erträge dieses Jahr rund 30% niedriger sein. Für die Erzeugung von Bio-Sprit müssen die landwirtschaftlichen Betriebe (gesteuert über deren Genossenschaften!) feste Erzeugermengen an Bio-Masse abliefern – und diese Erzeugermengen werden höher und höher geschraubt, weil das eben nicht nur ein lukratives Geschäft für die Bauern ist, sondern auch für den Staat siehe Kraftstoffbesteuerung. Das, was an Getreide also in den Tank fließt, ist eine immer größer werdende Menge. Getreide für Lebensmittel werden damit weiter und weiter künstlich verknappt und deren Preise steigen ins Unendliche. Damit dem entgegengewirkt wird, wird auch zunehmend verminderte Qualität hingenommen, sprich, das, was nicht für die Bio-Sprit-Erzeugung taugt, das bekommen wir zu essen!

Preiskampf am Brotkorb

Das wird stattfinden. Denn wenn die Lebensmittel in ihrer Qualität immer mehr verkommen, weil kein oder nur noch minderwertige Erzeugerprodukte mehr verfügbar sind, wenn die Preise ins Unendliche gestiegen sind, dann sind wir weit über den Status Schwellenland wieder zum Entwicklungsland geworden.