Was versteht man unter „verdeckter Inflation“?

… oder Begriffe, die einem während eines Interviews im Radio vor die Füße fallen…

Auch wenn im Moment das Attentat in Norwegen am 22. Juli 2011 das Generalthema in den Medien und den Blogs sein dürfte, möchte ich mich heute mit einem Vorgang beschäftigen, den ich in einem Radiointerview gehört habe und der in der nächsten Zeit von besonderer Bedeutung sein wird: die verdeckte Inflation. Was bedeutet dieser Begriff überhaupt? Ich muss dazu voraussetzen, dass ich die marktwirtschaftlichen Zusammenhänge erst einmal stark vereinfachen muss. Nur so ist zu verstehen, dass Reichtum erwerben ein Vorgang der verdeckten Inflation ist und damit zu noch mehr Reichtum und noch mehr Armut führen kann.

Jede Marktwirtschaft, also jedes Währungssystem, hat im Inneren eine feste Geldmenge, die frei im Umlauf ist. Damit legt die jeweilige Notenbank (bei uns ist es die ECB, European Central Bank) fest, mit welchem Wechselkurswert ihre Währung gegenüber den Nachbarwährungen gehandelt werden kann. Die feste Geldmenge, die in einem Währungssystem im Umlauf ist, wird Mengentender [Geld-Gegenwert der Volkswirtschaft] genannt. In Deutschland hat die Bundesbank (als Unterabteilung der ECB, bzw. EZB, wie sie in Deutschland genannt wird) eine feste Geldmenge von ca. 1,95 Billionen Euro festgelegt. Das würde bedeuten, dass jeder Deutsche, bei 81,6 Millionen Einwohnern, 23.897 Euro an Kapital halten würde. Doch dies wäre viel zu vereinfacht dargestellt. Denn, etwa 5% der Bevölkerung (das sind etwa 4 Millionen Menschen) halten 90% der gesamten freien Geldmenge als Kapital; das wären 1,755 Billionen Euro). Der kleine Rest von 195 Milliarden Euro würde sich dann auf 73,44 Millionen Einwohner verteilen. Damit kämen auf jeden Einwohner nur noch 2.655 Euro Kapital. Von 23.897 Euro auf 2.655 Euro geschrumpft, ist ein ganz gewaltiger Unterschied. Das allein macht aber noch keine verdeckte Inflation aus.

Wenn eine Marktwirtschaft sich auf eine feste Geldmenge beschränkt hat, dann bedeutet das, dass die Rohstoffe, Güter, Waren und Leistungen, die innerhalb dieser Marktwirtschaft gehandelt werden, natürlich auch einen entsprechenden Gegenwert haben. Sammeln jetzt die Reichen mehr von dem frei im Umlauf befindlichen Geld ein, müssten theoretisch die Preise [Geld-Gegenwert!] proportional sinken, um in ihrem Wert gleich zu bleiben. Verlieren die Reichen angesammeltes Geld, das in die breite Masse der Ärmeren zurückfließt, müssten theoretisch die Preise [Geld-Gegenwert!] für Rohstoffe, Güter, Waren und Leistungen direkt proportional steigen. Dann wären die Preise an eine feste Geldmenge angepasst.

Natürlich kann sich keine Marktwirtschaft leisten, dass ihre Geldmenge festgeschrieben ist – auch wenn das durch den Maastrichter Vertrag der Euro-Länder so festgelegt ist, denn dann würde ein Wachstum quasi nur im Verhältnis von Reichen zu Ärmeren stattfinden können. Der Mengentender der Währung in der betroffenen Volkswirtschaft wäre unveränderlich und somit der Wechselkurswert der Währung im internationalen Verbund fallend, weil es sich nicht lohnen würde, in eine solche Marktwirtschaft (ohne Wachstum!) zu investieren. Ausländisches Kapital käme also gar nicht in Euro-Land Deutschland an.

Die Realität sieht also viel komplizierter aus, da wir ein Exportland sind, das aber gleichzeitig viele Güter, Rohstoffe und Waren importieren muss, um überleben zu können. Dadurch wird von dieser festen Geldmenge laufend Geld ins Ausland transferiert (was die feste frei verfügbare Geldmenge im Inland verkleinert, also die Werte steigen lässt) und auch Geld aus dem Ausland im Euro-Land Deutschland investiert (was die Geldmenge, die frei im Umlauf ist, vergrößert und somit die Werte sinken lässt). Wir wären ohne diesen regen Austausch an Geld, Gütern, Leistungen, Rohstoffen und Waren nicht überlebensfähig. Und deshalb sprechen unsere Politiker so gerne vom Wachstum, weil sie damit den Überschuss an Exporten gegenüber den Importen im Blickfeld haben. Wir erinnern uns: Export bedeutet steigende Werte, Import bedeutet fallende Werte. Warum ist das so?

Beim Export müssen andere Marktwirtschaften (also außerhalb unserer Euro-Zone) Zahlungsmittel an Deutschland abgeben, die ihrerseits dann in der frei verfügbaren Geldmenge fehlen. Beim Import müssen wir (wollen wir keine direkten Auswirkungen auf unsere Preise für Güter, Leistungen, Rohstoffe und Waren riskieren) die Importgüter mit Krediten bezahlen.

Solche Kredite vergrößern quasi die feste Geldmenge, die durch den Mengentender der Zentralbank festgeschrieben ist. Damit vergrößert sich die im freien Umlauf befindliche Geldmenge und die Werte der Güter, Leistungen, Rohstoffe und Waren im Inland fallen, weil mehr Geld verfügbar ist.

Wenn unsere Marktwirtschaft nun, wie beim EFSE (Europäischer Rettungsschirm für die Euro-Währung) nun geschehen, Kredite ins Ausland vermitteln, dann verknappen wir unsere frei im Umlauf befindliche Geldmenge. Der Wert für Güter, Leistungen, Rohstoffe und Waren steigt also, die Preise müssten demnach deutlich spürbar sinken, wenn der Wert für diese Güter, Leistungen, Rohstoffe und Waren gleich bleiben soll. Das Gegenteil ist der Fall!

Die Preise steigen! Damit werden die 5% Reichen noch reicher (weil der Wert der von ihnen gehaltenen Geldmenge steigt und noch mehr Wert durch die teureren Güter, Leistungen, Rohstoffe und Waren in deren Taschen fließt) und die Ärmeren werden noch Ärmer. Wir haben also mit unserem Euro-Rettungsschirm einen Vorgang eingeleitet, der eine sogenannte verdeckte Inflation erzeugt und der unsere Marktwirtschaft nachhaltig schwächen wird. Denn die 95% Ärmeren innerhalb unserer Marktwirtschaft müssen sich verschulden, also Kredit aufnehmen. Dadurch dass sie Kredite aufnehmen (die vorzugsweise aus dem Ausland kommen), vergrößert sich unsere Geldmenge (die Werte fallen, die Preise steigen nochmals und machen damit die Reichen 5% noch reicher) und setzt die sogenannte Inflations-Spirale in Gang.

Unter dem Strich gesehen, hat uns der Europäische Rettungsschirm für die Euro-Währung dem schwarzen Freitag vom 24.10.1929 noch viel näher gebracht, was einen Zusammenbruch des gesamten Euro-Systems zur Folge haben kann. Denn irgendwann müssen sich alle Marktwirtschaften innerhalb des Euro-Systems so stark verschulden, dass sie im Geldwert ihrer Währungen ins bodenlose versinken. Wir können das auch daran erkennen, dass wir für den Euro inzwischen deutlich mehr US-Dollars zahlen müssen, als es noch vor der Griechenland-Krise der Fall war.

Von oben verordnete Ignoranz

Was da gestern (17.7.2011) die Frau Bundeskanzlerin im Interview mit Rainer Becker und Ulrich Deppendorf von der ARD im „Sommerinterview“ geboten hat, das ist die Krönung einer von oben verordneten Ignoranz! Es gibt ja nicht ohne Grund diese Volksweisheit, dass alle Politiker lügen – für Frau Dr. Merkel müssen wir wohl noch eine Kategorie hinzufügen. Sie hat das „Darüber-hinweg-sehen“ und das „Darüber-sprechen-wir-nicht“ so verinnerlicht, dass man, wäre man ein Psychiater, von einer manifestierten Suchtpersönlichkeit ausgehen müsste. Frau Dr. Merkel bräuchte sich jetzt wirklich nicht darüber wundern, wenn die Hedgefond-Manager sich den Spaß daraus machen, gegen sie zu wetten und dem Euro mit einer Herabstufung Deutschlands bei S&P, Fitch & Moody´s auf „CCC“ einen so gewaltigen Stoß versetzen, dass es durch Mark und Pfennig geht!

Einem Land, das von einer Person regiert wird, der man noch nicht einmal über die Brennweite ihrer Augenlinsen hinweg trauen darf, kann man auch wirtschaftlich nicht mehr trauen. Diese Bundeskanzlerin ist der größtmögliche Schaden, den man Deutschland überhaupt antun kann!

Fukushima ist nicht vergessen

Bei mir und meinem Blog ist die atomare Katastrophe von Fukushima keineswegs in Vergessenheit geraten. Eine der Ursachen, warum es uns hier in Europa so abstrakt vorkommt, ist die gewaltige Distanz (von der Mitte Deutschlands nach Fukushima sind es ca. 9200km) und zudem die fehlenden Antworten auf so viele Fragen, die im Zusammenhang mit nicht weniger abstrakten Fachbegriffen stehen. In einem sehr guten Dossier der Tagesschau-Redaktion [1], werden viele dieser Fragen sehr ausführlich behandelt und beantwortet. Ich finde, es ist die beste bisher verfügbare Sammlung an Fragen und Antworten zu diesem Thema. Wer sich weiter informieren will, dem bietet ein japanisch-sprachiges Blog [2] Auskunft über die jeweils aktuellen Strahlenwerte in der Region Fukushima und über die regionalen Grenzen hinweg auch die Insel Honshu und Hokkaido.

 In Deutschland haben wir das Problem, dass ich folgende Einstellung in einem großen Umfang zur Kenntnis nehmen muss: sobald wir eine politische Aussage (und damit meine ich den Beschluss des Bundesparlaments und des Bundesrates zum Atomausstieg 2022) getroffen haben, haben wir unsere eigene Verantwortung an die Politiker delegiert – und aus den Augen, aus dem Sinn damit.

Es ist bei uns noch keine Lösung auch nur ansatzweise in Sicht, wie wir mit dem atomaren Restmüll unserer AKW-gestützten Energiewirtschaft umgehen wollen. Und das beträfe einen Zeitraum von bis zu 2 Millionen Jahre in unserer Zukunft! Das fällt bei uns jetzt voll unter den Tisch – ist ja nicht unsere Zukunft, der größte Teil von uns hat ja allenfalls noch 80 oder 90 Jahre vor sich; also kein Vergleich mit dieser gewaltigen Zeitspanne.

Wir haben uns auch noch keine klaren Vorstellungen davon gemacht, wie wir unsere Energiewirtschaft in der näherliegenden Zukunft organisieren wollen. Denn die Politik gibt uns jetzt schon zentralistische Lösungen vor, die nicht im geringsten auch nur ansatzweise auf eine längere Frist hin durchdacht sind. Leitungen zu legen, die über zig tausende Kilometer reichen, bringt wie gehabt den Energieverlust (durch den erhöhten Leitungswiderstand) und damit eine ungeheure Energieverschwendung. Wir hätten, um unsere Industrie dezentral ausreichend zu versorgen, auch getrost mikroskopisch kleine Atomkraftwerke bauen können, die auf kurzem Weg die gleiche Energiemenge hätten erzeugen können. Der Müll wäre der gleiche. Aber wir könnten aus diesem Gleichnis auch lernen, dass wir keine riesigen Windparks brauchen, dass wir keine hundertquadratkilometer große Solaranlagen brauchen, um unserer Industrie vor Ort den nötigen Saft zu bieten. Kleine Kraftwerke, z.B. aus solarenergie gewonnenes Methangas, das in einer Gasturbine mit hoher Effizienz in elektrische Energie umgewandelt werden kann, können unsere Industrie dort versorgen, wo der Strom auch gebraucht wird. Und so können wenige hundert Kilowattstunden für ein Stahlwerk ausreichen, für das sonst viele Megawattstunden an Energie in einer fernen zentralen Kraftwerksanlage erzeugt werden müssten. Der Leitungsverlust in unseren bundesdeutschen Stromnetzen beträgt größer 75%! Abgesehen, dass damit 75% der CO2-Emmission eingespart werden kann, wenn wir das alles mit konventioneller Technologie bewältigen wollen, wie die FDP es sich vorstellt.

Ich habe damals GREENPEACE schon empfohlen, anstatt „medienwirksamer Zwischenfälle“ sich darum zu kümmern, der Industrie zu erklären, wie man mit aktivem Umweltschutz Geld sparen kann. Ich bin mir heute noch sicher, das wäre der Renner geworden. Aber es wäre eben nicht „medienwirksam“ gewesen.

 [1] http://www.tagesschau.de/ausland/japanblog106.html

[2] http://members3.jcom.home.ne.jp/2143800701/

 

Der europäische Subventions-Kompost

„Größtmöglicher Kleingärtnerverein“ schreibt die Frankfurter Allgemeine in ihrer Online-Ausgabe vom 13.7.2011 über die Europäische Union. Und damit wird genau das beschrieben, was uns in Europa in die Krise zwingt: Jeder möchte soviel vom europäischen Komposthaufen abbekommen, wie es nur geht. Nur dass niemand zu begreifen scheint, dass dieser europäische Komposthaufen namens „Subventionspolitik“ keine unendliche Quelle des Wachstums ist. Viele dieser Subventionen, die Brüssel verteilt, werden den einzelnen Staaten in Form günstiger Kredite angeboten – und welch Wunder, jeder greift gerne zu. Oft sind die Subventionen auch mit zusätzlichen Investitionskrediten aus der Privatwirtschaft gekoppelt – und natürlich greifen auch da viele zu, auch wenn sie sich eigentlich ausrechnen können, dass sie schon mit so viel Krediten belastet sind, dass sie das alles gar nicht zurückzahlen können. Also geben die einzelnen Staaten zur Sicherung dieser Subventionskredite und subventionsgestützten Investitionskredite ihre staatlichen Anleihen heraus, um irgendwie auf schnellem Weg zu Geld zu kommen. Es soll immer gleich die eierlegende Wollmilchsau sein, die da erfunden wird, wenn solche Papiere auf den Markt strömen. Doch auch der Markt der Anleihen erschöpft sich in seinem immer weiter steigenden Volumen. Und damit verlieren solche Anleihen schon von sich heraus ihren Wert. Schließlich wird auch dieser Markt von Nachfrage und Angebot bestimmt. Im Grunde bleiben nur die Eurobonds, um auch diesen Markt der nationalen Anleihen künstlich auszudünnen.

Maastricht ist gescheitert!

Das müssten sich die Politiker der EURO-Staaten endlich eingestehen. Die im Maastrichter Vertrag verankerte Klausel des „no-bailout“, nach dem kein Euro-Land für die Schulden des anderen Euro-Landes haftbar gemacht werden darf, gilt schon heute nicht mehr. Durch die Einsetzung des Europäischen Rettungsschirms haben wir auch für Deutschland diese Klausel bereits gebrochen.

 Und was kann statt dessen getan werden? Unbedingt müssen auf dem schnellsten Weg die Euro-Bonds eingeführt werden. Diese Papiere haben für die Euro-Länder den Vorteil, dass „Euro-Land“ (also alle Staaten grenzübergreifend) diese Anleihen ausgeben und diese zu den marktüblichen Bedingungen gehandelt werden. Aus dem Erlös kauft dann „Euro-Land“ die nationalen Anleihen, die durch die schlechten Ratings praktisch wertlos geworden sind und die Zinsen ins astronomische steigen (für zehnjährige griechische Anleihen wären demnach jetzt schon >40% Zinsen fällig) und die einzelnen Länder in die Pleite treiben. Dadurch dass die Euro-Bonds zum marktüblichen Preis gehandelt werden, entsteht der Schuldenschnitt beim Kunden (die meist für 3% bis 6% gehandelten Papiere garantieren für das betreffende Land natürlich, dass nicht mehr diese exorbitanten Zinsen von >40% fällig sind) und die nationalen Staatskassen werden geschont.

 Es gibt zwei Gewinner: der eine ist der Steuerzahler, der nicht die ganze Last des Euro-Rettungsschirms auf einmal zu tragen hat. Denn das Geld dafür wird in jedem der beteiligten Länder vom Steuereinkommen abgeschöpft und fällt für nationale Investitionen aus. Der andere Gewinner ist der betroffene, verschuldete Staat, der nun nicht mehr diesen enormen Liquiditätsengpass fürchten muss, der zu einer Pleite oder dem Rating D=Default führen würde.

Aber wie gesagt, die Politiker müssen sich und der Öffentlichkeit eingestehen: „Der Vertrag von Maastricht ist gescheitert!“

Wie bekommen wir die Kuh vom Eis?

Griechenland noch lange nicht gerettet, Italien auf der Kippe und jetzt Irland auf Ramsch-Status gesetzt. Die EU-Finanzminister ratlos und am Freitag wird vermutlich der EU-Ministerrat tagen, um der Lage Herr zu werden. Was ist los, mit unserem Euro?

Das Jammern auf hohem Niveau, die Rating-Agenturen seien schuld, bringt nichts. Auch eine europäische Rating-Agentur würde nichts daran ändern, dass der Euro als Währungssystem nicht gerade gesunken, aber dennoch gekentert ist. Heute rächt sich vor allem dieser grenzenlose Wachstumswahn, dem man anheim gefallen war, um die US-Wirtschaft und die Konkurrenz aus Asien zu überflügeln. Dabei hat man eines außer Acht gelassen, dass wir in Europa lange nicht so viele Menschen sind, die wirtschaftlich zum Erfolg beitragen könnten, als Indien und China und der ganze südostasiatische Wirtschaftsraum aufbieten kann. Unser Stand an Beschäftigungslosigkeit in Europa, den wir immer stiefmütterlich behandelt haben und bei dem wir immer von der Politik zu hören bekamen „wenn das Wachstum hoch genug ist, haben wir auch Vollbeschäftigung“, der rächt sich nun bitter – und wird den Euro zu Fall bringen.

Was also tun? Schenken wir doch dem Volk reinen Wein ein: eine Vollbeschäftigung ist Illusion, denn wenn wir errechnen, dass für die ca. 700 Mio. Menschen in Europa etwa 55% beschäftigungsfähige Menschen stehen, dann wären das 385 Mio. Menschen, die ca. 1950 Euro im Monat erwirtschaften müssen, um ausreichend Geld zum Leben zu haben. Das wären dann 750,75 Mrd. Euro im Monat, die von der Bevölkerung erwirtschaftet werden müssten, also rund 25 Mrd. Euro am Tag. Diese Summe bleibt aber eine Illusion, wir schaffen nicht einmal einen Bruchteil davon. Das BIP vom gesamten Euro-Raum lässt sich nicht genau berechnen, dazu sind die Einzelnachweise viel zu ungenau. Zudem wird im BIP ebenfalls der erwirtschaftete Umsatz aus Spekulationsgeschäften mitgerechnet. Wie viel davon legal oder illegal erwirtschaftet wird, lässt sich nicht genau ermitteln. Somit weiß niemand, wie viel Geld, virtuell und real, im Euro-Raum überhaupt unterwegs ist. Eine intransparente Geldmenge, und das müsste jedem einleuchten, macht eine Währung keineswegs stabil, sondern ganz im Gegenteil wird die Währung immer instabil halten. Ist eine Währung aber nicht stabil, kann es auch kein reales Wachstum geben, weil nicht genau bestimmt werden kann, welchen Zuwachs das BIP tatsächlich nimmt. Irgendwo müsste eine feste Bezugsgröße festgelegt werden, die gibt es aber nicht einmal für den Wechselkurs des Euro.

Wo soll also dieses, von den Politikern herbeigebetete Wachstum herkommen? Wir haben keine Vollbeschäftigung, wir haben viel zu hohe Sozialausgaben in den Einzelhaushalten der einzelnen Euro-Länder, wir haben viel zu hohe Subventionen, mit denen der Euro langsam ausgeblutet wird. Wie bekommen wir also die Kuh vom Eis?

 

Heiße Nächte…

Dass nun auch Italien in den Fokus der drei großen US-Rating-Agenturen gerückt ist, war keine all zu große Überraschung. Dass die USA sich am Rand der finanziellen Katastrophe befindet, war angesichts der enormen Ausgaben durch die Einsätze in Irak und Afghanistan auch kein plötzlicher Schock. Doch dass wir wieder so nah am Abgrund befinden, war wohl offensichtlich der Schreck in später Abendstunde für unsere Finanzpolitiker. Sowohl in Brüssel, als auch in Washington D.C. Haben sie noch in der Nacht versucht, mit Bretter und Nägel die allerwichtigsten Löcher ihrer hochverschuldeten Währungssysteme zu flicken[Tagesschau]. Aber unter dem Strich, ändert das nichts daran, dass in Italien immer mehr Schulden durch staatliche Subventionen aufgehäuft hat. Wenn Italien als drittgrößte Volkswirtschaft in Europa in die Pleite schlittert, dann bricht der Euro einfach auseinander. Das können die anderen Länder und der IWF nicht mehr auffangen.

Das Hauptproblem bei dieser Malaise ist, dass keines der betreffenden Ländern den Mut hat, ungedeckte Leerverkäufe an ihren Börsen mit Zahlungszwang zu bestrafen. Denn vor allem der Derivatehandel werden unsere Volkswirtschaften immer mehr geschwächt, weil hier nicht konsequent genug durchgegriffen wird. Wir haben dies bereits schon im Handel mit den vollkommen überbewerteten Schrottpapieren im Immobilienhandel erlebt – und nichts hinzugelernt.

Warum verlangt Jean Claude Trichet nicht umgehend die Besteuerung von finanziellen Transaktionen im Devisenhandel? Schließlich ist jedes Euro-Land auf eine ausreichende Einnahmequelle im Steuersäckel angewiesen.

Warum verbieten wir nicht grundsätzlich den Leerverkauf und das Kassageschäft mit Warentermingeschäften? Schließlich sind es gerade die Leerverkäufe, wovon die wenigsten gedeckt sind, nichts weiter als größenwahnsinniges Glücksspiel.

Warum führen wir keine „Handysteuer“ ein? Diese Idee stellte kürzlich auf einer Podiumsdiskussion der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) Daniel Cohn-Bendit vor. Von jedem Handygespräch 0,1 Cent als Steuer in die Kassen der Euroländer. Für die einzelnen Handybenutzer ein kaum wahrnehmbarer Betrag, aber bei zig Millionen Handyverbindungen pro Tag im Euroraum eine sichere Steuerquelle.

Das wären machbare Sofortmaßnahmen, die unsere Volkswirtschaften zu einem sehr großen Anteil entlasten würden. Ich weiß, es widerspräche der Lobbygesteuerten Ansicht der Europäischen Liberalen (ELDR) und ihrer doktrinierten Politik der Freiheit.