Gipfel der Unvernunft

Heute ist der Tag des Welternährungsgipfels in Rom. Und es ist der Gipfel der Unvernunft, wenn ausgerechnet der Papst Benedict XVI. sich vor das Mikrofon stellt und jammert, dass alle sechs Sekunden ein Kind wegen Unterernährung sterben muss und dass deshalb für unsere „zivilisierte Welt“ die Aufgabe bestünde, das wirtschaftliche Wachstum zu sichern, um die armen hungerleidenden Säuglinge zu ernähren! Man sollte diesen Mann wegen Massenmord anklagen! Denn, wer Kondome verbietet und damit Milliardenfaches Leid über Frauen und ihre ungewollte Mutterschaft bringt, der weismachen will, nur der Glaube allein schütze vor AIDS, der ist genau so dafür zur Verantwortung zu ziehen, wie jeder andere Kriegsverbrecher auch.

Ich will nicht das Leid des Hungers herunter spielen. Aber es packt mich eine unbändige Wut, wenn wir das Leid des Hungers dazu hernehmen, um unseren Wachstumswahnsinn zu legitimieren. Es kann doch nicht sein, dass wir mit anderen Worten genau das versuchen umzusetzen, was die Nazis in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts als Grund aufgeführt haben, unsere prosperitierende Bevölkerung durch den Raub und den Mord in den Nachbarstaaten zu ernähren und damit Millionen Menschen zu ermorden, nur damit das Deutsche Reich seinen Wachstumswahnsinn verwirklichen konnte? Wo, bitte schön, sind da die Unterschiede?

Wir können nur einen Weg gehen: freier Zugang zur Frauenbildung weltweit – freier Zugang zur Schwangerschaftsverhütung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten für ALLE – Geburtenkontrolle, dass nur so viele Kinder geboren werden, wie jedes souveräne Land innerhalb seiner Grenzen ernähren kann – staatliche Kontrolle darüber, dass jedem Menschen ausreichend sauberes Trinkwasser für die Ernährung zur Verfügung steht (das wären drei Liter Trinkwasser für jeden Menschen am Tag) – kein Wachstum größer als das ökologische Gesamtprodukt eines souveränen Staates mehr. Das bedeutet sicher, dass wir Abstriche an unserem Lebensstandard machen müssen. Aber es bedeutet auch, dass die Frauen sich politisch mehr für ihre Bildung einsetzen müssen! Das muss schon in der Schule anfangen, denn die Frauen sind es, die in dieser Hinsicht noch politisch etwas bewegen könnten.