Große Koalition? Alles beim Alten? …

Irgend wann ist es so weit. Ich meine der 27. September 2009. Dann werden wir sehen, ob alles beim Alten bleibt. ;) Aber eines ist doch, was sich ändern wird. Am 19. September haben wir wieder Rosh ha Shana, das jüdische Neujahrsfest. Ich werde es im Kreise meiner Freunde feiern und dann werden wir sehen, ob alles beim Alten bleibt … im Jahr 5770.

Deshalb hoffe ich, dass sich etwas tun wird. Dass die Menschen vielleicht ein wenig wacher werden und nicht in ihrem bequemen Elend verweilen. Ich habe es nie verstanden, warum die Menschen nicht auf das achten wollen, was um sie herum geschieht. Viele sagen mir direkt ins Gesicht, es wäre ihnen egal, wie es in der Welt zu geht, es ginge sie nichts an. Hauptsache, sie fühlen sich wohl. Aber im Grunde fühlen sie sich alle nicht wohl. Schon lange. Sie haben nur inzwischen vergessen, wie es sich anfühlt, sich unwohl zu fühlen. Bequemes Elend eben.

Ich fühle mich unwohl in dieser Welt. Und ich bin nicht eins mit ihr. Denn ich lebe nach dem Grundsatz: schau es dir an, was um dich herum ist. Und was da um mich herum ist, das gefällt mir nicht immer. Und ich spreche es aus. Natürlich wollen die Menschen das nicht hören – wer hört schon gerne, dass ich sehe, dass er zu viel trinkt, zu viel raucht, zu oft berauschende oder betäubende Medikamente nimmt, dass er sich nicht eingesteht, dass seine Gier und sein Verhalten asozial ist.

Solche Meldungen, wie die, dass in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr über 17.000 Säuglinge mit Alkoholschaden bei Geburt auf die Welt kommen, interessiert die Menschen nicht besonders. Es fehlt ihnen an dem Bewusstsein, dass sie alle als Mitglieder dieser Gesellschaft auch ihre Verantwortung daran tragen. Aber damit mache ich mich allenfalls unbeliebt.

Offensichtlich bleibt also doch alles beim Alten.

Un-communicado

Wer kennt ihn noch, den Hit von Merillion „Incommunicado“? Viele dürften sich mit den Texten von Fish (Derek William Dick) wohl überhaupt nicht auseinander gesetzt haben. Inzwischen ist es mit der Kommunikation und der Technologie noch weiter vorwärts gegangen, aber die Menschen können noch weniger miteinander sprechen. Meistens ist es sogar so, dass sie gar nicht miteinander sprechen wollen. Warum auch. Es würde die eigene schöne heile Phantasiewelt, die man sich mühsam aufgebaut hat, auf einen Schlag zerstören, würde mann plötzlich von jemand anderem etwas anderes zu hören bekommen, was man selbst glaubt und für die ultimative Wahrheit hält. Andere Menschen, andere Meinungen. Und schon versucht man dem auszuweichen.

Wenn heute noch über etwas gesprochen wird, dann allenfalls übers Klima und übers Wetter. Irgendein gemeinsamer Schuldiger wird sich doch wohl finden lassen. Oder über die Politiker. Wie unfähig sie sind und so weiter und so fort. Dabei sind die Politiker genau so Menschen, wie Du und ich und sind ebenso unfähig zu kommunizieren. Hört man sich die druckreifen Reden, die früher Politiker ohne Manuskript vor dem Bundestag hielten, an und vergleicht sich mit dem seichten Gewaber, was heute in die Mikrofone gelispelt wird, weil der Ghostwriter wohl wieder mal Schrott geschrieben hat, dann kommt das in etwa der Qualität gleich, mit der heute Nachrichten in den Medien verlesen werden. Es sollte einen Preis für die am schlechtesten recherchierten Nachrichten geben! Die Kandidaten würden sich wohl um den Siegerplatz reißen! Es ist schon regelrecht eine Schande, wie heute Journalismus betrieben wird. Nachrichten sind keine Nachrichten mehr, allenfalls das Neuste aus der Gerüchteküche, denn Fakten werden falsch oder unvollständig zitiert, eine Nachrichtenredaktion übernimmt Falschmeldungen von der anderen und zum Schluss kommt etwas dabei heraus, was sogar der Qualität des Propagandaministeriums von Neues Deutschland widersprechen würde. Fazit: was da in den Nachrichten verbreitet wird, zugegebener Maßen auch in den Doku-Soaps, ist Schrott!

Wäre es nicht mal wieder schön, auf Menschen zu treffen, die noch miteinander sprechen und sich tatsächlich etwas zu sagen haben?